U-gan-da! (Part V)

Datum: Freitag, 05. Januar 2018

Route: Kasese – Queen Elizabeth Nationalpark

Nach dem Aufstehen waren sowohl Christians Brandblasen vom Vortag als auch die beiden Bonnie-Situationen besser. Zum Frühstück gab’s Bananen (immerhin mal nicht gestampft) mit Ei. In Verbindung mit der Erdnusssauce hätte ich diese Bananen bei einer Blindverkostung tatsächlich eher als Kartoffeln erkannt, aber man lernt ja nie aus.

Ambrose hatte bei seiner Mutter geschlafen und wir wollten ihm noch mindestens bis zur Mittagszeit mal seine Ruhe vor uns gönnen, so dass der Alternativplan lautete, die in der Nähe liegende Minenstadt Kilembe zu besuchen.

IMG_3832

Auf dem Weg dorthin hielt uns eine Schranke auf. Zuerst sollte die Durchfahrt 10.000 Schilling kosten, dann – ohne irgendeine Diskussion – nur noch 5.000 und als wir durchgewunken wurden, hatten wir (erstmal) gar nix bezahlt. Warum auch immer. Merkt euch die Zahlen trotzdem mal.

Die Mine selbst wurde in den 50ern eröffnet, bis in die 80er von Kanadiern betrieben, war im Anschluss bis 2014 in Staatsbesitz und wurde dann von einem chinesischen Konglomerat übernommen.

Zur Zeit ruht der Abbau, da die Chinesen offenbar vertraglich zugesagt hatten eine Kupfer-Schmelze vor Ort zu bauen, dies aber aber wohl nicht eingehalten haben und man ihnen deswegen halt Vertragsbruch vorwirft. Ich kann’s nicht beurteilen, aber unser Führer Vincent – der Sicherheitsbeauftragte der Mine – hatte keinen Grund uns anzulügen und war eigentlich auch insgesamt ein sehr entspannter und verdammt cooler Einheimischer.

„From Germany? Research or tourism?“, war so ziemlich seine erste Frage an uns, weil wohl am Vortag schon eine andere deutsche Gruppe da war.

Eigentlich hatte man uns auf Nachfrage bei der Anmeldung auch mitgeteilt, dass das Fotografieren „ab der Brücke“ nicht mehr erlaubt sei. Vincent, den wir danach erst kennenlernten, hat dazu nur abgewunken und lapidar gemeint, dass wir alles machen können, solange er bei uns sei. Sehr gern.

IMG_3845

Hinter der Brücke ist die eigentliche Mine, oder der Abbauort, dann noch 5,5km entfernt. Dorthin gelangt man über einen wirklich nicht gerade vertrauenserweckenden Sessellift. Zum Glück war das Ding nicht in Betrieb. Grundsätzlich können damit aber tatsächlich alle 3.000 Arbeiter in 1.500 2er-Sesseln zur Arbeit gebracht werden. Bestimmt ein grandioses Bild.

Abgebaut werden hier Kupfer, Nickel, Eisen, Gold, Silber, Kobalt und Schwefel. In bis zu drei Kilometern Tiefe. Zur Zeit wird wie gesagt alles nur instand gehalten, trotzdem gab es keinerlei Kündigungen. Über ein angeschlossenes Kraftwerk wird Strom erzeugt, welcher vom Staat abgenommen wird, dafür erhalten die Chinesen offenbar 500.000.000 Schilling monatlich und zahlen davon wiederum die Löhne. Wirklich beliebt sind sie jedenfalls trotzdem nicht, das konnte man zwischen den Zeilen problemlos heraushören.

Wir haben auf jeden Fall einiges von den Produktionsstätten gesehen, hatten jede Menge Mineralien in der Hand (alle ordentlich wieder zurückgelegt!) und durften auch ein gutes Stück durch einen alten Schacht wandern. Ich denke und hoffe, dass auch dies im Sinne des Auswärtigen Amtes nicht als Höhle zählt.

War super interessant und hat keinen Cent gekostet. Trinkgeld haben wir Vincent natürlich trotzdem gegeben. Außerdem hatte er nach der Tour Bock auf Mittagspause, also haben wir ihn noch nach Hause gefahren und unterwegs noch Müsliriegel mit ihm geteilt. Abgemeldet oder so hat er sich nirgends. Ist einfach mit uns raus und nach Hause. In Uganda ticken die Uhren halt anders.

Auf dem Rückweg nach Kasese hat uns die Durchfahrt an der Schranke dann 7.000 Schilling gekostet (hat sich jemand die vorherigen Zahlen gemerkt?). Man muss es nicht verstehen. Sind aber halt auch keine 2€ und somit natürlich nicht der Rede wert, kurios bleibt es trotzdem.

Unterwegs dann flott Ambrose eingesammelt und auf zum Kazinga Channel im Queen Elizabeth Nationalpark.

Dabei haben wir dann auch fast alle noch zum ersten Mal den Äquator auf dem Landweg überquert und uns für die nächste Tage von der Nordhalbkugel verabschiedet.

IMG_3954

Am Rande der kilometerlangen Schotterpisten zum Eingang des Parks haben wir die ersten Antilopen und einen bizarren Salzsee gesichtet. Bilder und Videos konnten wir nur im Schutze des Autos machen, da man halt nicht weiß ob eventuell Löwen in der Nähe sind. Kommt schonmal vor, dass die sich ein bisschen im Hinterland umsehen. Daher gibt es in und um Kasese auch kaum Viehzucht und dafür umso mehr Landwirtschaft (riesige Baumwollfelder, etc.). Ergibt durchaus Sinn.

Der Kanal selbst verbindet die beiden riesigen Seen (Lake Edward und Lake George) und ist einfach nur der Wahnsinn. Ich kann’s nicht beschreiben, seht einfach selbst, auch wenn die Bilder das alles natürlich nicht so rüberbringen können, wie es vor Ort tatsächlich ist.

Wir hatten das Glück zur perfekten Zeit da zu sein. Erstens fuhr die Fähre kurz nach unserer Ankunft, zweitens waren fast alle Tiere, die wir gerne sehen wollten, am Wasser. So geil, Elefanten, Nilpferde und Krokodile nebeneinander und in totaler Freiheit aus nächster Nähe zu sehen.

Wieder an Land und im Auto hatten wir dann noch ein paar Kilometer durch den Park vor uns, um zu unserem Domizil direkt oberhalb des Kanals zu gelangen. Wir waren noch nicht lange unterwegs, da stand schon die nächste Gruppe Elefanten friedlich grasend am Wegesrand. Dabei verwechselte ein namentlich nicht genannter Mitfahrer den Rüssel eines hinten stehenden Tieres, mit dem primären Geschlechtsteil eines vorderen… Hohn und Spott gab es (für ihn) umsonst dazu, den Dickhäutern war’s egal.

Ein paar hundert Meter weiter hatten wir es dann mit einer äußerst neugierigen Truppe Paviane zu tun. Clever wie wir sind, wurden natürlich sofort alle Fenster geschlossen und alles hinter (mehr oder weniger) sicherem Glas begutachtet. Beim Weiterfahren fiel uns dann auf, dass das Schiebedach die ganze Zeit sperrangelweit offen stand. Haben die Primaten zum Glück aber auch nicht gemerkt. Wir sind uns wohl tatsächlich ziemlich ähnlich.

Beim Abendessen auf dem Gelände der Lodge hat uns dann noch ein Nilpferd besucht, beziehungsweise ist es zwischen Kanal und Lodge am Hang rumgeschlendert. Während diesem Spektakel wurden wir von einem anderen Gast als Saarländer enttarnt. Die Welt ist ein Dorf. Den Dialekt hatte er deswegen erkannt, weil seine Schwester in Homburg arbeit, er selbst kam glaub ich aus Stuttgart.

Essen war wie immer lecker (frittierter Bananenstampf zum Dessert!), aber fettig. Wir sind wie immer und überall noch ein bisschen sitzen geblieben und waren um 21:15 tatsächlich die letzten anwesenden Gäste… sehr kurios, passiert uns sonst ja auch nicht. Da ein Mitfahrer schon gewisse Sprachprobleme aufwies („Fluge-Hunde!“), haben wir uns gegen sitzenbleiben und für einen Absacker am mittleren unserer drei Zelte entschieden.

Noch etwas den Sternenhimmel bewundert, der Geräuschkulisse gelauscht, drüber gefreut, dass wir kein Internet haben („Ruhe und Frieden!“) und oberhalb des Kanals im Freien die Zähne geputzt ehe es ins Bettchen ging.

Muss ja nicht immer ganz so spät werden.

Vielleicht morgen wieder.

Advertisements

U-gan-da! (Part IV)

Datum: Donnerstag, 04. Januar 2018

Route: Fort Portal – Bundibugyo – Kasese

Frühmorgens holten wir den verpassten Kater vom Neujahrstag nach. Als wäre der nicht genug, hatte mich auch noch irgendwas oberhalb des Hinterns gestochen und Andi behauptete, ich hätte nachts den Nationalpark abgeholzt. Mindestens. Letzteres stellte sich allerdings als alternativer Fakt heraus, da auch tags darauf noch kein einziges Medium über den nächtlichen Verlust von 800km² Regenwald berichtete.

Googelt, wenn ihr mir nicht glaubt, ihr werdet nix finden.

Whatever. Rolex, ’ne Mango, Kaffee und Saft weckten die Lebensgeister. Zum Abschied ließen wir noch eines unserer SVA-Trikots da und verließen die liebgewonnene Herberge in Richtung kongolesischer Grenze.

IMG_3612

Am Rand von Fort Portal legten wir noch einen Zwischenstopp an den Amambere Höhlen ein und kletterten dort erstmal gebückt über rutschige Steine. Diese Mühe (selbst mit Kater) rechnete sich aber tatsächlich, denn mittendrin wurden wir mit einem wunderschönen Wasserfall belohnt.

Kurioserweise bin ich aber immer noch der Meinung, dass sich es sich dabei eigentlich weniger um Höhlen im eigentlichen Wortsinn, sondern vielmehr um stark überhängende Felswände und viel Wald handelt. Aber gut, wir wollen nicht Erbsen zählen. Kritisch wird diese Definitionsfrage sowieso nur dann, wenn wir darüber streiten wollen, ob wir hier den nächsten Hinweis des Auswärtigen Amtes missachtet hatten („keine Höhlen betreten!“), oder eben nicht. Sucht es euch aus.

Werfen wir vor der Weiterfahrt nochmal einen gemeinsamen Blick auf die Karte:

Etappe 3

Screenshot: Google Maps

Zwischen Fort Portal und Bundibugyo liegen vielleicht 25km Luftlinie. Fahren muss man gut 90km rund um die Ausläufer des Ruwenzori-Gebirges. Aber die Landschaft ist schön anzusehen, die Hänge wirklich richtig steil (dazu auf der Rückfahrt mehr) und Tunnel sind sowieso irgendwie überbewertet. Neumodischer Quatsch.

Den ersten Versuch zu den Sempaya Hot Springs zu gelangen, brachen wir nach etwa 3km Buckelpiste bergauf ab und kehrten nochmal auf die asphaltierte Straße zurück. Da hatten wir uns von der Beschilderung (sinngemäß: hier abbiegen, dann 15km bis zum Ziel) etwas in die Irre führen lassen. Wie sich später herausstellte, war die asphaltierte Straße früher im Krieg mal gesperrt und der Weg über den Berg (die 15km), die einzige Alternative.

Treffenderweise heißt sie deshalb „old road“.

Dummerweise hat niemand die Beschilderung geändert.

Über die vielleicht zwei Kilometer asphaltiertes Flachland waren wir jedenfalls schneller und einfacher am Ziel. Semuliki Nationalpark.

Hier gibt es unter anderem eine männliche und eine weibliche heiße Quelle. Kein Witz, ich denke mir das nicht aus. Die wissenschaftliche Beleuchtung heißer Quellen wäre an dieser Stelle zwar sicher lehrreich, aber da ich keinen Bildungsauftrag (und keine Ahnung von Geothermie?) habe, erzähle ich euch lieber die „Geschichte“ so wie sie uns erzählt wurde.

A long time ago, in a galaxy far, far away…

Nee, Quatsch, ernsthaft: Frauen aus dem Dorf gingen im Wald Feuerholz suchen und sichteten einen offenbar verwirrten Mann/Jäger mit seinem Hund, der im Zickzack durch den Wald irrte. Sie liefen zurück ins Dorf erzählten ihren Männern davon, diese sind ihrerseits los in den Wald, sammelten den armen Tropf ein und brachten ihn in die Siedlung. Da wurde er dann aufgepäppelt und mit einer Frau verheiratet. Wie man das halt auf’m Dorf so macht mit Leuten die man im Wald findet, kennt jeder. Ist ja bei uns nicht anders. Und eines Tages war er mitsamt Hund plötzlich verschwunden.

Bei der Suchaktion wurden nur noch seine Knochen, die seines Hundes und seine Kleidung gefunden. Wo? Na in der (von nun an) männlichen Quelle.

Ein paar Tage später verschwand auch seine Frau. Großangelegte Suchaktion. Gefunden wurden nur noch ihre Knochen und Kleider…

In der _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ Quelle.

Richtige Antwort bitte eintragen, Abschnitt ausschneiden und unfrei an RTL oder die Bild senden.

So viel zur Geschichte. Zurück zu uns, auf dem Weg zur männlichen Quelle. Wir liefen durch den Regenwald und auf einmal öffnete sich vor uns eine riesige Grassavanne, durch die ein Steg führt. Völlig surreal.

Und wenn man sich dann mitten auf dem Steg mal umdreht und noch das Bergpanorama dazu hat, kommt man sich wirklich vor wie in Jurassic Park. In dem Moment war ich wieder Kind. Sehr, sehr geil.

PANO_20180104_120640.jpg

Hübsch, oder?

Die Quelle selbst war dann eher unspektakulär. Halt heißes, nach Schwefel riechendes Wasser.

IMG_20180104_122008.jpg

Oder sagen wir so: sie wäre unspektakulär gewesen, wenn Christian nicht abgerutscht und reingetreten wäre… Autsch! Tat bei Temperaturen nahe dem Siedepunkt durchaus weh und die Reaktionszeit der Gruppe („Wasser! WASSER!“) ließ etwas zu wünschen übrig. Blieb dann aber zum Glück bei zwei Brandblasen am Gelenk.

Die in einiger Entfernung befindliche weibliche Quelle war dann im großen und ganzen dasselbe heiße Wasser, halt nur mit unterstelltem Doppel-X-Chromosom. Und mit dem Unterschied, dass man dort (und nur dort, an der männlichen nicht) drin Eier kochen darf, was wir natürlich gemacht haben.

Ansonsten ist der Park eher was für Ornithologen, nicht unser Ding. Nach der Behandlung der Brandblasen haben wir uns also wieder auf den Rückweg gemacht, um über Fort Portal noch nach Kasese zu gelangen.

Bei der erneuten Überquerung der Passstraße rund um das Gebirge haben wir dann an einem Aussichtspunkt mit Kids noch ein paar Bilder gemacht und Süßigkeiten verteilt. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn diese wahnsinnigen Rabauken dort nicht die Hänge runtergesprungen wären, als wären es Sandhügel auf einem Spielplatz. Ernsthaft, mir macht die Harakiri im Zillertal kein Kopfzerbrechen, aber den Hang wäre ich auf Skiern nicht runter. Brutal steil, fast senkrecht. Für die Knirpse war’s ein Klacks.

In Fort Portal haben wir dann wieder das altbekannte Geldwechsel-Spiel gespielt, irgendwie muss die Zeit ja rumgehen.

Funfact am Rande: wenn man innerorts nicht genau weiß, wo sich eine bestimmte Adresse befindet, ordert man sich eines der überall zu findenden Boda-Bodas (Motorrad-Taxi), das dann vor einem herfährt. Navis sind westlicher Quatsch, in Uganda redet man noch miteinander und nimmt Dienstleistungen in Anspruch. Finde ich cool. Generell spielt sich hier eigentlich alles draussen ab.

Da wir sowieso in der Nähe waren, statteten wir der Farm auf der Ambrose aufgewachsen ist, noch einen Besuch ab. Wie immer wurden wir sehr herzlich empfangen und ich wette, wir hätten einfach bleiben können, wenn wir gewollt hätten. Zum Essen, zum Übernachten, für immer. Die Gastfreundschaft ist überragend.

Zum Glück.

Denn bei einem Mitfahrer machten sich leichte Magenprobleme bemerkbar, derer er sich entledigen musste. Dringend. Nennen wir diese missliche Lage fortan „Bonnie-Situation 1„. An sich das normalste auf der Welt, aber just in dem Moment, in dem wir uns draussen noch darüber unterhielten wie witzig es jetzt wäre, wenn er drinnen kein Wasser zum Spülen hätte, hatte er drinnen kein Wasser zum Spülen…

Wir haben Tränen gelacht. Einer dieser Momente, in dem man jemanden nicht aus einer misslichen Lage helfen kann, weil man gerade wieder zum Sechstklässler geworden ist, dem vor lachen über ein fremdes Missgeschick auf dem Schulhof die Capri-Sonne aus der Nase schießt. Kindsköpfe for life.

Nachdem wir uns wieder etwas gefangen hatten, haben wir noch einige Bilder mit allen Anwesenden gemacht und wurden ebenso herzlich verabschiedet, wie wir begrüßt wurden. Einfach tolle Menschen.

IMG_3781

Geschätzte 20km vor Kasese meldete der nächste Mitfahrer ein dringendes Bedürfnis an. Bonnie Situation Nummero 2.

Zu seiner Erleichterung haben wir einen Hinterhofladen mit sanitärer Anlage gefunden. Eigentlich nicht nur zu seiner, bei Nummer 1 war es ebenfalls wieder akut.

Während der gesunde Rest die Wartezeit mit Bier kaufen überbrückte, kamen die ersten Spekulationen auf, ob das vom Essen kommen könnte. Eigentlich hatten alle dasselbe Frühstück und zwischendurch nur Bananen und Kekse (und Nile). Also eher unwahrscheinlich, aber natürlich auch nicht auszuschließen. Hätte auch keinen positiven Effekt gehabt, weiter darüber zu sinnieren, also haben wir uns erst mal der Suche nach einer Unterkunft in Kasese gewidmet und ein bisschen rumtelefoniert.

Die restliche Fahrt zum ausgesuchten Ziel verlief ohne weitere Zwischenfälle, Bonnie-Situation 1&2 wurden erst im Hotel wieder brisant und spätestens da waren sich die meisten einig, dass wir es ziemlich sicher mit (bekannten) Nebenwirkungen der Malariaprophylaxe zu tun hatten.

Zu Abendessen hatte uns die Mutter von Ambrose eingeladen und wir konnten zum Glück alle – ohne (weitere) Symptome – Folge leisten und sie nebst weiterer Familie in ihrem neuen Haus besuchen.

War ein toller Abend, mit tollem Essen, auch wenn mir der Bananenstampf langsam etwas fad wurde. Unseren Patienten hatte man nahegelegt selbigen nicht zu essen, um die Mägen zu schonen, so blieb dann auch noch mehr davon für den Rest von uns übrig. Soll jetzt keinesfalls negativ klingen, no way, war wirklich super – vor allem wieder super gastfreundlich – es ist halt nur wie jeden Tag morgens, mittags und abends Kartoffeln. Trotz vieler Variationsmöglichkeiten (es gibt offenbar über 20 verschiedene Bananensorten in Uganda und manche schmecken tatsächlich wie Kartoffeln), wird es eben irgendwann eintönig und ich hatte die mir in diesem Moment völlig berechtigt vorkommende Sorge, selbst zur Banane zu werden. Hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Bei meinen gelegentlichen Zigarettenpausen vor der Tür wurde ich jedesmal von den Kids aus der Nachbarschaft umlagert. Wir konnten uns leider nicht wirklich verständigen, aber ich glaube sie hatten noch nicht viele Muzungu vor uns gesehen. Grimassen haben aber immerhin funktioniert, so dass wir dann doch eine etwas unkonventionelle Art der Kommunikation gefunden hatten, die uns alle lächeln ließ. Reicht auch eigentlich, mehr muss es ja gar nicht sein.

Muss ich erwähnen, dass wir auf dem Heimweg wieder mal eine Nachtfahrt machten? Nein? Gut.

Am White House Hotel angekommen, entschlossen wir uns noch dazu im White House Garden gegenüber einen Absacker zu schnappen. Bei dieser Gelegenheit fiel uns auch auf, dass wir entgegen jeglicher Warnung alle Dokumente und Wertsachen auf den Zimmern gelassen hatten… war aber (natürlich) alles noch da und wir konnten uns unser eines Betthupferl leisten.

Okay, okay. Es waren vielleicht auch zwei.

Ob ich euch morgen vom nächsten Kater erzähle, erfahrt ihr wenn ihr wieder reinschaut.

Bis dann.

IMG_20180104_192732.jpg

U-gan-da! (Part III)

Datum: Mittwoch, 03. Januar 2018

Route: Fort Portal – Kibale – Fort Portal

Zum Frühstück erstmal ein(e) Rolex.

Natürlich keine von diesen völlig überteuerten Uhren, wir waren schließlich bodenständige Millionäre, sondern ein Wrap aus Omelett und Chapati (quasi ein Fladenbrot, in das man das Omelett einwickelt). Gibt’s günstig an jeder Straßenecke. Sehr lecker und sättigend. Aber fettig. Gute Art in den Tag zu starten.

Auf dem Weg zum Kibale Nationalpark machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Königspalast, um die Aussicht auf Fort Portal zu genießen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das heutzutage nur noch eine kulturelle Institution, war aber früher – irgendwann vor X Jahren – tatsächlich mal die Residenz des Königreichs. Nur um es erwähnt zu haben, wie gesagt, bin mir nicht mehr sicher, fasst es nicht als unumstößliche Wahrheit auf.

IMG_3384

Nachdem alle Bilder geschossen waren, wurde an der Straße schnell noch ein Snack für zwischendurch gekauft und schon waren wir unterwegs nach Kibale.

IMG_3396

Dort begrüßten uns schon vor dem eigentlichen Park die ersten Paviane entlang der Straße. Rechts, links, überall. Große, kleine, Familien, einzelne Tiere, Männlein und Weiblein. Kein bisschen scheu und immer in Erwartung nach etwas Essbarem aus den vorbeifahrenden Fahrzeugen.

Beim Beobachten und Bilder machen, stellte sich mir die Frage, ob diese (wirklich zahlreichen) Paviane von den im Park lebenden Schimpansen verdrängt wurden (weil: natürliche Feinde), schließlich könnte der Mensch sie wahrscheinlich kaum daran hindern sich drinnen ein gemütlichesTerritorium abzustecken. Und wer wohnt schon gern an der Hauptstraße? Zäune gibt es nirgends, von daher erschien mir das schon naheliegend. Oder sie sind halt doch wegen des reichhaltigen Buffets freiwillig da. Man weiß es nicht und wird es auch so schnell nicht wissen. Im Park bei den Menschen mit Ahnung angekommen, hatte ich meine furchtbar kluge Frage nämlich schon wieder vergessen, ihr könnt also auch bei diesem Thema nicht auf Erleuchtung hoffen.

Anmerkung: wer bis hierher durchgehalten hat und immer noch auf irgendeine total aufregende Weltneuheit hofft: Sorry, ich fürchte da kommt nix mehr. Aber lustig wird’s noch. Versprochen. Später. Irgendwann.

An der Rangerstation buchten wir uns dann den Waldspaziergang und eine geführte Tour zu den an den Menschen gewöhnten Schimpansen.

Der Park an sich ist mit fast 800km² riesig (für ugandische Verhältnisse aber klein). Etwa zwei Drittel davon sind für den Tourismus nicht zugänglich, dort lebt auch der Großteil der ca. 1500 Schimpansen. Der Teil den wir durchwanderten beheimatet ca. 120 Tiere in mehreren Gruppen, die, wie gesagt, an ihre haarlosen Cousins mit besser funktionierenden Daumen gewöhnt sind.

IMG_3488

Das merkten wir direkt bei der ersten Sichtung, weil sich eine/r (keine Ahnung ob männlich oder weiblich) erstmal schamlos aus einigen Metern über uns erleichterte. Bevor jemand fragt: Ja. Beides. Aber zum Glück keine Wirkungstreffer.

Trotzdem sehr anmutige Tiere, wir zählten hier drei Große und ein Kind.

Auf der weiteren Wanderung, musste ich kurz an einem der über 80m hohen und 200 Jahre alten Bäume anhalten, um ihn zu gießen. Es war schließlich Trockenzeit und er sollte auch morgen noch kraftvoll wachsen können. Während die Gruppe weiterlief, kam ich mir – abseits des Weges, Regel 3 – kurzzeitig vor wie Dieter Stark in Jurassic Park 2. Mit dem positiven Unterschied, dass mir keine giftigen Mini-Dinosaurier auflauerten. Oder die Feiglinge haben sich nicht getraut. Aber egal, ich schweife ab.

Bei der zweiten Gruppe angekommen (insgesamt drei Erwachsene, davon mindestens ein männliches Tier, das uns genüsslich und ausgiebig sein Gemächt präsentierte) tat sich erstmal gar nichts. Eine Gruppe amerikanischer Girls zog irgendwann von dannen, wir blieben. Nicht weil wir es unbedingt wollten, sondern vielmehr weil unser Guide Gerald wohl (eine) Ahnung hatte.

Warten.

Warten.

Nix passiert.

Warten.

Die Affen taten: Nichts. Aber da wir sie zu dem Zeitpunkt beobachten können, sind sie. Immerhin.

Anti-Schrödingers Schimpansen!

Anmerkung: Wahrscheinlich ergibt das keinerlei physikalischen Sinn, aber Quantenmechanik ist halt irgendwie auch wie ein exotisches Tier, das man bestaunt, nicht versteht und das eben trotzdem funktioniert. So schließt sich der Kreis.

Einem unserer Affen war all das auf einmal jedenfalls egal (oder er hatte keinen Bock mehr auf uns Gaffer):

Flott den Baum runter, unmittelbar an Christian vorbei und ab ins Unterholz. Spätestens da hatte sich dann die Warterei gelohnt und der anfänglich angemahnte Mindestabstand von acht Metern (Regel 5) war hinfällig. Nicht unsere Schuld, der Affe war’s!

Vielleicht ein once in a lifetime Moment.

Mittlerweile waren wir jedenfalls seit über vier Stunden im Wald und die Tour so langsam zu Ende. Zum guten Schluss waren wir tatsächlich nur knapp 6km gelaufen, da haben sich alle (außer Gerald) grandios verschätzt. Bedingt durch den Waldboden, teilweise mitten durch’s Unterholz, die Serpentinen und sicherlich auch durch das Klima, hatte jeder (außer Gerald) gefühlt viel mehr in den Beinen als nur 6km.

Die Rückfahrt hielt dann noch ein paar Überraschungen bereit. Kleiner Umweg zu den Crater Lakes. Diese Panoramen, im beginnenden Sonnenuntergang, sind mit Worten wirklich nicht zu beschreiben. Wun-der-schön.

Am ersten See ließ sich sogar noch das erste Nilpferd der Tour kurz blicken, zeigte uns aber ausschließlich die kalte Schulter und den verlängerten Rücken. Am zweiten See bot sich uns dann das Hintergrundmotiv des 20.000 UGX-Scheins (was uns auch noch ein englischsprachiger Muzungu aus einem vorbeifahrenden Auto zurief, während wir schon am Beweisfotos machen waren. Thanks anyway!)

IMG_20180103_182224.jpg

Am Straßenrand hielten wir dann noch Smalltalk mit einem Jungen, der auf seine Ziegen acht gab, die dort gemütlich vor sich hin grasten. Im Anschluss daran, hatte er noch einen kilometerlangen Heimweg vor sich. Zu Fuß, wohlgemerkt. Zur Stärkung haben wir ihm Müsliriegel dagelassen. Für Nile war er noch zu jung.

Wir hingegen schwangen uns wieder in unser Gefährt und rumpelten die Piste entlang. Die letzte Steigung vor dem anvisierten Aussichtspunkt brachte die Karre dann auch an die Grenze des machbaren, ehe wir abrupt vor einem Tor stoppten, das sich aber sofort wie von Geisterhand öffnete. Dafuq?

Als hätte man uns erwartet.

Plötzlich standen wir auf dem Gelände einer ebenso fantastischen wie unerschwinglich teuren Lodge und erhielten eine Führung. Ich kann nicht sagen warum, manche Dinge sind in Afrika einfach wie sie sind. Und meistens sind sie überaus freundlich. Nachdem wir den Swimming-Pool, den See, die einzelnen Häuser und überhaupt das ganze Ambiente mitten im Wald bestaunt hatten, wollten wir uns natürlich auch erkenntlich zeigen. Übernachten war keine Option (wir wurden ja bereits wieder in Fort Portal erwartet, außerdem war’s wie gesagt wirklich teuer).

Also haben wir das gemacht, was wir am besten können und eine Runde Bier bestellt (und damit noch etwas länger die Aussicht genossen). Klassisches win-win.

Dabei kam es auch zu der allgemeinen Feststellung, dass dies der perfekte Ort für eine (nicht unsere) Hochzeitsreise sei. Wer also einen guten Tipp braucht, um seine bessere Hälfte mal positiv zu überraschen: Fragen ist umsonst, Antworten kosten ein Bier. Immer her damit.

Nachdem sich das Tor wieder hinter uns geschlossen hatte, stellte sich eigentlich bei jedem so langsam ein größeres Hungergefühl ein. Somit herrschte über das nächste Ziel schnell Einigkeit: ein Gasthaus!

Um den Weg dorthin nicht unnötig zu verlängern, lasse ich hier einfach mal meine unkorrigierten Live-Aufzeichnungen  sprechen, die DayOne-App lügt nicht:

Screenshot_20180123-174706.png

So sah das jeden Tag aus.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Obwohl. Doch. Das Essen war ja fettig.

Deswegen hatten wir danach noch unsere erste Begegnung mit „Uganda Waragi“ (ein ginähnliches Getränk mit 40 Volumenprozent, das entweder aus Hirse oder aus grünen Kochbananen destilliert wird). Aus irgendeinem nicht mehr nachvollziehbaren Grund sofort mit einer ganzen Flasche davon. War ja nicht unsere Schuld, dass wir zufällig in dem Land mit dem weltweit höchsten pro Kopf Verbrauch an Alkohol (.pdf) zu Gast waren. Und wir mussten uns – als gute Gäste – schließlich anpassen.

IMG_20180103_213552.jpg

Auf dem Weg zur Herberge dann noch kurz für ein paar Absacker zum mitnehmen gestoppt (wenn’s mal läuft…) und anschließend mit der Herbergsmama bis halb zwei in der Küche versackt… Grandioser Abend.

Von dem daraus resultierenden Kater, dem Stich (nicht vom Kater, die können nicht stechen) und den alternativen Fakten erzähle ich euch dann im nächsten Kapitel.

Morgen.

Gute Nacht.

PS: Christian hat im Nationalpark noch ein Bild gemacht, dass wir kurzzeitig als vermeintlichen Hilferuf nach Hause schicken wollten… haben uns zum Glück (unserer Angehörigen) aber dann doch dagegen entscheiden ;)

IMG_3425

HELP! The cake is a lie!

U-gan-da! (Part II)

Datum: Dienstag, 02. Januar 2018

Route: Entebbe – Kampala – Fort Portal

Raus aus dem Flughafen.

Draussen angekommen, entdeckten wir sofort Ambrose und unseren Fahrer Edson (nicht im Bild), der eigentlich vom ersten Handschlag an Teil der Gruppe war, aber dazu später mehr.

IMG_20180102_151841.jpg

Fertig, aber glücklich.

Auch unsere Bedenken wegen des Fahrzeugs waren unbegründet. Mehr als genügend Platz, 4×4, alles gut. Erstmal alles verstaut, die Geschenke in Andis Rucksacktasche auf dem Dach festgebunden und runter vom Parkplatz.

Die Präsente sollten dann vorerst in die Hauptstadt nach Kampala. Zu einem Mann, den nur unser Fahrer kannte. Hier kam uns zum ersten Mal das geflügelte Wort „es wird jemanden geben“ (teilweise auch in den Varianten „es wird jemand kommen“ / „es kommt darauf an“) zu Ohren, das wir noch oft hören sollten. Eigentlich immer, wenn irgendwas nicht ganz klar war. Und es traf immer zu. Manchmal früher, manchmal später. Afrikanische Gelassenheit, die anfangs etwas kurios anmutet, die man mit der Zeit aber durchaus zu schätzen lernt (und eigentlich kennt man das auch von zuhause, wenn man ein paar Mal um die Ecke denkt, z.B.: „Zug geht um 11:00 von Gleis 4“, „bin fertig und sofort da“ oder „Serviervorschlag“… think about it).

Wie dem auch sei: Zuerst mussten wir an einer Bank stoppen, um Geld zu wechseln. Grundsätzlich macht es Sinn US-Dollar dabei zu haben, die – jünger als 2006 – als offizielles Zahlungsmittel gelten. In der Praxis erwies sich dies jedoch oft als schwierig, da speziell bei kleineren Läden meist kein Wechselgeld vorhanden ist und/oder Scheine mit minimalen Gebrauchsspuren (auch von Banken) abgelehnt werden. Geld ist nicht gleich Geld. Und größere Scheine bringen bessere Wechselkurse als kleine. Alles Lektionen die wir innerhalb der ersten Stunden lernen mussten.

Außerdem wird man grundsätzlich von bewaffneten Sicherheitsleuten abgetastet, ehe man rein darf.

Nachdem wir auf der zweiten Bank – wegen des besseren Kurses – dann mit Bargeld versorgt waren, war kurz darauf auch schon die erste Viertelmillion Schilling (ca. 57€) wieder in Umlauf gebracht. Nile Special, sehr leckeres ugandisches Bier.

Im Hinterhof des Ladens noch schnell die sanitären Anlagen besucht und schon waren wir auf der Straße Richtung Fort Portal, einmal quer durch’s Land.

Etappe 1

Screenshot: Google Maps

Wie ihr auf der Karte sehen könnt, war die Fahrt ziemlich lang und auf die Zeitangaben des sonst sehr zuverlässigen Kartendienstes kann man sich hier nicht unbedingt verlassen. Somit kamen wir auch direkt am ersten Tag zu unserer ersten Nachtfahrt, von denen das Auswärtige Amt abrät. Aber Edson regelt das schon, bester Mann. Meine Mitfahrer beschrieben den abendlichen (Gegen-)Verkehr als „wie aus Harry Potter, das mit dem Bus!“. Der Gefangene von irgendwas. Oder irgendwem. Oder so. Hab’s mir nicht notiert und das Zeug nie gelesen oder gesehen. Man möge ihnen also glauben oder nicht ¯\_(ツ)_/¯

Bei einem kurzen Halt unterwegs (Kekse und Nile kaufen) an einer wirkliche wilden Kreuzung mit unzähligen Geschäften und einem Club, entschlossen wir uns die gebuchte Herberge mal anzurufen und Bescheid zu sagen, dass unsere Ankunft wohl minimal später werden könnte als geplant. Und da wir eigentlich auch nur Frühstück gebucht hatten, ob es wohl eventuell möglich wäre auch ein Abendessen zu bekommen…?

Es war möglich. Trotz unchristlicher Uhrzeit. Schon vor unserer Ankunft konnten wir bestätigen, dass die positiven Kommentare für dieses Guesthouse vollumfänglich zutreffen.

Laut meinen Aufzeichnungen (ich nutzte dafür die DayOne-App, falls es jemanden interessiert, sehr nützliches Tool für sowas) waren wir dann gegen 23:00 endlich da, bezogen die Zimmer und bekamen tatsächlich ein fantastisches Dinner.

Man könnte es Raubtierfütterung nennen, auch wenn zum guten Schluss was übrig blieb. Es war einfach viel zu viel und Bananenstampf (Matoke) macht an sich schon verdammt satt, von dem dazugehörigen Fleisch und all den anderen Sachen ganz zu schweigen.

Danach noch einen Absacker und ab Richtung Zimmer. Genug für Tag 1. Wir mussten erstmal alles sacken lassen und eine Mütze voll Schlaf nehmen.

Achso, bevor ich’s vergesse, von wegen „es wird jemanden geben“: Besagter jemand trug einen Trainingsanzug der Bundeswehr. Wild.

IMG_3336

Morgen geht es unter anderem um Quantenphysik, sich erleichternde Primaten und Bananenschnaps. Reinschauen lohnt sich.

Bis dann.

 

U-gan-da! (Part I)

Drei Uhr mittags an einem sonnigen Donnerstag im Oktober 2017.

Ich sitze im Wartebereich des Gesundheitsamtes in Saarbrücken und soll mir das Aufklärungsblatt zur Gelbfieberimpfung durchlesen.

In Wahrheit hält mich aber der Gedanke an die bald folgende Nadel im Arm gefangen. Ich mag Spritzen nicht, mochte sie nie und werde sie auch nie mögen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, wie viele bis zum Ende Jahres noch folgen sollten und dass meine Mitstreiter und ich noch einige Zeit mit unserem kleinen gelben Freund, dem Impfbuch, verbringen werden. Meines weist meine (alte) Adresse noch mit der längst in Vergessenheit geratenen vierstelligen Postleitzahl aus. Während ich überlege, ob es eigentlich egal ist, dass die Adresse nicht mehr stimmt und dann gedanklich sofort zu der Frage abweiche, wie das Maskottchen der Post zur Umstellung damals eigentlich nochmal hieß, schrecke ich aus meinem Gedankenmüll auf, als eine Frauenstimme zu mir sagt: „So, dann bekommen sie jetzt noch ein Pflaster und dann sind wir hier fertig!“

Schon fertig? Gar nicht mitbekommen, dass ich kein T-Shirt mehr trage, in einem Behandlungszimmer sitze und offenbar eben einen Lebendimpfstoff gespritzt bekam. Danke für die Ablenkung aus dem Jahre 1993 Rolf, ich komme bis zum Ende des Jahres sicher noch ein paar Mal auf dich zurück!

IMG_20180114_120749.jpg

Schnäppchen!

Fragen über Fragen…

„Warum Uganda? Da herrscht doch Krieg! Und überhaupt! Warum Uganda!?“

Diese und viele ähnliche Fragen hat man uns im Vorfeld oft gestellt. Jetzt, nach unserer Rückkehr, könnte man sie hochtrabend philosophisch beantworten und irgendein furchtbar bedeutungsschwangeres Zitat vom Dalai Lama in den Raum werfen, das uns auf eine Stufe mit Henry Morton Stanley (britisch-amerikanischer Afrikaforscher, ihr müsst nicht googeln) stellt, aber seien wir ehrlich: im Endeffekt haben wir nur in einem wunderschönen Land, mit wunderbaren Menschen sowas wie Urlaub gemacht.

Das war teilweise sicherlich abenteuerlich – wenn man z.B. mitteleuropäische Maßstäbe an die Infrastruktur oder den Straßenverkehr anlegt – aber zu keinem Zeitpunkt gefährlicher als eine beliebige Straßenkreuzung in Deutschland (wenn man von den Straßenkreuzungen in Kampala absieht). In Uganda herrscht kein Krieg. Und die Zeiten von Idi Amin sind lange vorbei.

In Sachen politischer, wirtschaftlicher und ziviler Freiheit ist sicherlich sehr viel Luft nach oben, keine Frage. Uganda ist keine Demokratie. Aber dies wird nicht Gegenstand dieser Artikelserie sein. In erster Linie deshalb nicht, weil es mir nicht zusteht darüber zu urteilen ohne es durchschaut zu haben, andererseits aber auch, um hier nicht jedem Hauptsatz drei einschränkende Nebensätze zur Seite stellen zu müssen. Wir sind und waren uns jederzeit bewusst, dass wir in einem der ärmsten Länder der Welt zu Gast waren und uns selbst unter der eiskalten Dusche noch einen Luxus – nämlich fließend Wasser – gönnten, den viele Einheimische nicht haben und ihn vielleicht auch nie haben werden. Nichts von dem was ich im Anschluss schreibe, kratzt an diesem Grundsatz.

Bleibt also die Frage nach dem Warum: im Endeffekt verbindet unsere Reisegruppe der Fußball im gleichen Verein. Und Ambrose hatte uns schon lange dazu eingeladen, ihn einmal in seiner Heimat zu besuchen. Das kam immer mal wieder auf und wurde immer wieder verworfen, verschoben und vergessen. Wie das halt so ist, wenn man eine Komfortzone hat, Mallorca viel einfacher zu erreichen ist und man dafür nichtmal zwingend zusätzliche Impfungen braucht.

Doch diesmal fanden sich tatsächlich einige Leute zusammen, die das Thema am Laufen hielten, Infos sammelten und konkret in die Planung einstiegen. Eine gut behütete Pauschalreise kam von Anfang an nicht in Frage, wir wollten Land und Leute kennen lernen. Also wurde alles selbst in die Hand genommen, Unterkünfte kontaktiert und mögliche Routen erörtert, wieder verworfen und alles von vorne begonnen. Schlussendlich blieben fünf „Muzungu“ (ostafrikanische Bezeichnung für „jemanden mit weißer Haut“ oder „Hellhäutiger“) und eben Ambrose übrig, die es zum gleichen Zeitpunkt einrichten konnten, die sich über die teilweise spontane Durchführung einig waren und dem Ganzen mit der verbindlichen Flugbuchung den endgültigen Startschuss gaben. Die Unmengen Spritzen nicht zu vergessen.

Von den Erlebnissen dieser Reise handeln die nachfolgenden Artikel.

Für die Aufteilung in mehrere Beiträge habe ich mich deshalb entschieden, weil der erste Entwurf (am Stück) schon über 12.000(!) Wörter umfasste. Und seien wir ehrlich, Longreads können toll sein, aber das wär dann vielleicht doch ein bisschen viel auf einmal gewesen.

Here we go, Etappe 1:

Auersmacher – Frankfurt – Dubai – Entebbe

Neujahrstag, 1. Januar 2018.

Meistens beginnt das neue Jahr mit einem Kater, bei uns diesmal mit Malariaprophylaxe. Man soll mit der Einnahme der fiesbraunen Tabletten 1 – 2 Tage vor Einreise in das entsprechende Gebiet beginnen, also gab es morgens um 10 die Erste. Unseren Zyklus wollten wir von Anfang an möglichst gleichschalten, so dass es schwieriger wurde, dass jemand aus der Gruppe die tägliche Einnahme vergisst. Zehn Uhr deshalb, weil es zu Uganda zwei Stunden Zeitverschiebung gibt und wir es für eine gute Idee hielten, sie dort immer um die Mittagszeit zu nehmen. Das stand nirgends, aber wir machten es eben so und es hat funktioniert.

Bevor wir um 15:30 Richtung Frankfurt am Main aufbrachen, trafen wir uns noch zum Bier bei mir im Keller. Letzte Checks der Visa, Pässe, Landkarten, Reiseführer und Mückensprays, sowie die Verteilung der Geschenke von Ambrose, die wir für ihn mitführten, da wir mehr Freigepäck hatten als er. Selbiger hatte die Silvester-Nacht auch bereits in Istanbul verbracht und würde uns am Folgetag in Entebbe am Flughafen erwarten. Nach unserer Rückkehr sagte jemand anerkennend zu dieser Art der Planung, dass es oftmals schon nicht ohne Komplikationen funktioniere, sich zu zweit in Saarbrücken auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen, weil der eine dann am Sankt Johanner Markt stünde und der andere an der Europa-Galerie… ob das jetzt bei uns funktionierte, weil die beiden Punkte auf unserer Route nicht vorkamen, oder weil wir wirklich gut geplant hatten, lasse ich mal dahingestellt.

Nachdem unser Gepäck im Bus von meinem Chef verladen war, ging es ab auf die Autobahn. Die Fahrt selbst verlief ebenso gewohnt unspektakulär wie der Check-In. Allerdings fragten wir uns unterwegs, was wir wohl für ein Auto in Uganda haben würden – wird es so geräumig sein wie der Multivan? Schließlich würden wir fast jeden Tag unser komplettes Gepäck dabei haben (müssen) und mehr oder weniger aus dem Koffer leben. Aufgrund der weiten Strecken zwischen den einzelnen Orten hatten wir uns gegen ein Basislager entschieden und wollten höchstens mal zwei aufeinanderfolgende Tage vom gleichen Ort aus starten. Egal. Das war der Preis der Spontanität.

Ansonsten kann man den Rest dieser Etappe eigentlich schnell abhandeln (ich glaube es ist nicht so wirklich interessant, wer im Schiffe versenken auf den Flügen gewonnen hat, außerdem habe ich verloren).

20:30 Abflug im A380, Landung in Dubai um 05:55 Ortszeit. Die Wartezeit mit Frühstück überbrückt und anschließend um 09:25 mit einer vollbesetzten Boeing 777-300ER weiter nach Entebbe.

Der Flughafen in Entebbe erinnerte dann nach der Landung um 13:50 (Ortszeit) an eine Mischung aus den Flughäfen in Saarbrücken und dem (ehemaligen) Zweibrücken, sehr zweckmäßig, aber nicht ausladend.

Nach Abwicklung der Einreise-Modalitäten betraten wir dann zum ersten Mal offiziell ugandischen Boden (spätestens seit einer vorhergehenden Reise nach Serbien wissen wir, dass alles vor der Passkontrolle nicht oder nur sehr eingeschränkt zum jeweiligen Staatsgebiet gehört und z.B. konsularische Probleme, da nicht wirklich gelöst werden können… aber dies nur am Rande, es gab ja keine Komplikationen, diesmal).

Hüllen wir den Mantel des Schweigens, über die fantastischen Visa-Fotos, unglücklich gewählte Warteschlangen und die willkürlich genommenen Fingerabdrücke.

Wir lesen uns morgen, unter anderem mit der längsten Autofahrt quer durch’s Land, einer Viertelmillion Schilling und einer Raubtierfütterung bei Nacht.

Bis dann.

 

Das große Trollen

oder: Warum wir dringend über Medienkompetenz reden müssen.

Netzpolitik.org hat gestern Abend einen Artikel über den Sicherheitstest des BSI online gestellt. Beziehungsweise geht es eigentlich darum, dass das BSI wohl irgendwie nicht so richtig damit gerechnet hat, dass da wirklich (großflächig) drauf zugegriffen wird und dass die Seite temporär not available war/ist. BSI halt. Spezialspezialisten.

So weit, so unspektakulär.

Nun kommt in der Überschrift allerdings die exakte URL der (nicht erreichbaren) BSI-Seite vor („sicherheitstest.bsi.de“).

Und wenn wir mal davon ausgehen, dass viele Menschen von besagtem Sicherheitstest aus der Zeitung erfahren (das ist dieses tote, bedruckte Holz) und somit Google nach dem Test befragen („Sicherheitstest + BSI“), erhalten sie als ersten(!), erreichbaren(!!) Treffer nunmal den Artikel von Netzpolitik.

Nun sind aber (anscheinend?) jede Menge #Neuland-Bewohner (trotz Zeitung) nicht unbedingt die belesensten Menschen und mit der Medienkompetenz scheint es (leider) auch nicht allzu weit her zu sein, denn wenn man sich die Kommentare unter dem Artikel ansieht, offenbart sich einem folgendes:

netzpolitik

Und das ist jetzt nur ein willkürlich herausgegriffener Mini-Teil, der z.Zt. über 150 Kommentare, von denen die überwältigende Mehrheit a) diesen Inhalt in minimaler Abweichung aufweist; und b) NICHTS mit dem kommentierten Artikel zu tun hat.

Ich will mich da nicht drüber lustig machen. Es zeigt nämlich viel zu deutlich (wenngleich hoffentlich nicht repräsentativ) auf, wie schlecht es um die Medienkompetenz in diesem Land bestellt ist.

Es ist kein Wunder, dass es außerhalb der Netzgemeinde keinen ernsthaften #Aufschrei zwecks NSA et.al. gab, wenn man dieses vergleichsweise harmlose Beispiel hier mal überfliegt.

Denn sie wissen nicht was sie tun…

Mir fällt auch ehrlich gesagt nichts ein, wie man diese Menschen mitnehmen kann. Wie man sie aufklären und sensibilisieren kann.

Genau das wird aber notwendig sein, um Überwachung, anlassloser VDS und was da noch alles kommen wird entgegen treten zu können.

Und das macht mir ehrlich Bauchschmerzen…

Gebrauchsanleitung für die Vermischung der Arbeits- und Privatwelt

Disclaimer: Aufgrund der extremen Häufung in letzter Zeit, muss ich leider mal einen Rant loswerden. Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, sollte im Spiegel nachsehen, ob der Knoten nicht vielleicht doch etwas locker sitzt. Sollte ich jemandem (in Zukunft) einen Link zu diesem Beitrag geschickt haben, beglückwünsche ich ihn hiermit dazu, mich in außergewöhnlicher Weise genervt zu haben. Wahrscheinlich habt ihr mich im Winter, bei der Beobachtung eines Apfelbaums auf 10km Entfernung gefragt, ob da was dran sein könnte. Falls Ja: Bitte doppelt aufmerksam lesen.

Ich bin gerade trotz Urlaub von der Arbeit genervt.

Und das Schlimme daran ist: Es hat nicht im Geringsten was mit der Arbeit zu tun!

Ich helfe meinen Freunden, Bekannten, der Familie und allen sonstigen Sozialkontakten ja wirklich gerne. Ehrlich. Wenn ich was tun kann, bin ich im Normalfall der Letzte der Nein sagt.

Schwierig wird es aber immer oft manchmal wenn sich die Privatwelt und die Arbeitswelt vermischen.

Ich bin mir recht sicher, dass das keiner mit Absicht macht. Aber hier nochmal zur Sicherheit:

  1. ich arbeite nicht 24/7
  2. ich arbeite nicht sonntags
  3. ich arbeite nicht, wenn ich Urlaub habe
  4. hört mir verdammt nochmal zu, wenn ihr keine Ahnung habt und mich deswegen nach Rat fragt
  5. seid höflich
  6. reagiert nicht wie ein Loser

Punkt 1. ist – so denke ich – selbsterklärend. Ich hab‘ kein Problem damit, wenn man mir mal eine Frage stellt. Von mir aus nehme ich in meiner Freizeit sogar mal eine Bestellung entgegen, aber dann ist es auch wieder gut. Da ich Wechselschichten fahre, bin ich hier sogar noch bereit zu akzeptieren, dass niemand wissen muss(!) wann ich jetzt genau arbeite und wann nicht, aber meine Privatnummer ist meine Privatnummer ist meine Privatnummer. Überspannt bitte den Bogen nicht. Ich schrecke schon lange nicht mehr davor zurück zu blockieren.

Punkt 2. –> einfach Nein! Kommt bitte gar nicht erst auf die Idee, vor allem ab jetzt nicht (mehr). Finger weg.

Bei Punkt 3. verhält es sich ähnlich wie bei Punkt1.: Ich kann nicht erwarten, dass alle wissen wann ich Urlaub habe (und das ist sogar gut so) und ich beantworte auch hier gerne mal eine Frage. Aber spätestens wenn ihr mich morgens was fragt und dann mittags wieder und abends nochmal… und noch dazu jedesmal dasselbe… nun, dann erwartet keine Nachsicht, wenn ich irgendwann genervt bin!

Punkt 4. ist der häufigste Halsschlagaderanschwellgrund. Es ist völlig OK wenn ihr von der Materie keine Ahnung habt und deshalb nachfragt. Wie gesagt, ich bin im Normalfall immer bereit euch zu helfen. Aber dann lasst euch auch helfen und macht euch Gedanken über das Gesagte. Macht eure Hausaufgaben, wenn ich euch schon die Formeln dazu vorkaue. Immer erst den Kopf benutzen, dann die Tastatur / den Ziffernblock / den Touchscreen.

Punkt 5. ist bei weitem nicht so selbstverständlich wie er vielleicht klingt. Verwendet ein „Danke für deine Mühe“ oder was auch immer, wertschätzt, dass hier jemand in seiner fucking Freizeit EUER Problem unentgeltlich und gerne löst. Um ehrlich zu sein, ist Höflichkeit aber auch zweitrangig, wenn ihr wenigstens alle anderen Punkte beachtet. Sie erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch in Zukunft wieder helfe.

Punkt 6. tritt eigentlich nur dann ein, wenn man sich einen der anderen Punkte geleistet hat und sich aufgrund meiner Reaktion furchtbar ungerecht behandelt fühlt. Es ist in diesem Fall keinesfalls hilfreich damit zu drohen die Luft anzuhalten, die Klobrille nicht mehr runterzuklappen, oder anderweitig beleidigt zu sein. Auch wenn es sich in diesem Moment vielleicht nicht so anfühlt: Egal wie grob ich euch ab- oder hierher verweise, könnt ihr trotzdem drauf wetten, dass mir was an euch liegt. Ignorieren wäre einfacher :) Denkt drüber nach und heult nicht rum. Ihr wollt nicht wie ein Baby behandelt werden, also verhaltet euch auch nicht so.

tl;dr: Ich arbeite nicht 24/7, ich bin nicht selbstständig, ich verdiene nichts an euren Bestellungen, mein Chef bekommt davon nichts mit, meine Mühe ist für euch kosten- aber nicht sinnlos.

Wenn ich mir diese Mühe gebe, tue ich das gerne, freiwillig und nicht in Erwartung einer Gegenleistung. Ich freue mich sogar, wenn ihr euch freut, weil euer Projekt jetzt funktioniert.

Alles was ich von euch erwarte, ist: Respektiert, dass auch ich Freizeit habe. So wie ich eure Freizeit respektiere.

Und wenn ihr euch unsicher seid: Fragt wegen den Risiken und Nebenwirkungen einfach mich.

Außer sonntags.