In your face, Thilo S.!

Ich wollte den Tag gerade gemütlich auf dem Balkon ausklingen lassen und habe dabei durch den aktuellen Spiegel geblättert.

Hängen geblieben bin ich bei „Kronzeugen für eine Lüge“ (S. 42, ff. – leider noch nicht online, ich verlinke ggf nachträglich).

Es handelt sich dabei um ein Interview mit drei iranischen Brüdern, die 1996 mit ihrer Mutter nach Deutschland kamen, (politisches) Asyl beantragten, über Jahre nur ablehnende Bescheide erhielten, aufgefordert wurden Deutschland zu verlassen, wobei der endgültige Erlass erst Jahre später kam – und sie schlussendlich aber doch bleiben durften, weil dem (nachgereisten) Vater Asyl gewährt wurde.

Jedenfalls haben sich alle drei durchgebissen, Abitur gemacht, studiert.

Nun geht’s mir aber gar nicht um diesen Asyl-Ja/Nein-Vorgang, sondern vielmehr um eine einzelne Aussage, die einer der drei Brüder (Masoud) tätigt.

Schon das Wort „Integration“ ist problematisch. Man tut so, als gäbe es eine homogene Gruppe, die „Deutschen“, und Fremde, die irgendwie anders sind. […]

Treffer. Versenkt.

In diesem einen Satz steht alles drin, was (mir) an der fortwährenden Integrationsdebatte immer wieder sauer aufstößt.

Wir. Die.

Ohne das auch nur mal ansatzweise definiert wird, wer eigentlich „wir“ und wer „die“ angeblich sein sollen. Warum diese Unterscheidung nicht vertieft (oder eben definiert) wird, liegt auf der Hand: Es gibt dieses „wir“ (z.B. die Deutschen) nicht in irgendeiner, wie auch immer gearteten, pauschalisierten Form.

„Wir“ (um beim Beispiel zu bleiben: die Deutschen) sind keine -zig Millionen eineiigen Zwillinge/Drillinge/…

„Wir“ sind eine völlig zufällige Truppe aus vielen völlig verschiedenen Individuen mit völlig unterschiedlichen Geschichten, Vorlieben, Denkweisen.

„Wir“ alleine sind schon so ‚Multikulti‘, dass die zweite Person Plural für „uns“ völlig ausgeschlossen ist.

Und genau so ist es überall sonst auch. Bei „denen“. „Die“ gibt es in dieser pauschalisierten Form natürlich auch nicht.

Ich unterscheide mich von meinen direkten Nachbarn in genauso vielen (unterschiedlichen) Punkten, wie ich mich von einem Iraner/Amerikaner/Australier/Afrikaner/Chinesen/Bayern unterscheide. Egal ob meine Nachbarn Müller oder Mbeki heißen. Und bei den Gemeinsamkeiten ist das nicht anders.

Und das ist verdammt nochmal gut so. War immer so. Und wird auch immer so bleiben. Egal was Der Stürmer die B*LD, Sarrazin oder Konsorten faseln.

Homogenität gibt es bei Benzin oder Diesel. Aber ganz bestimmt nicht bei einzelnen Völkern.

Danke, Masoud Sadinam. Sehr schön, für alle verständlich, auf den Punkt gebracht.

Je tire mon chapeau.

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