Ahhh, Sozialwahl…

… geht es mir durch den Kopf, als ich den entsprechenden Brief auf der Treppe finde. Blöd nur, dass das Altpapier im Keller gesammelt wird und selbiger in der exakt entgegensetzten Richtung liegt. Was soll’s, nachher muss ich ja sowieso noch die Wäsche runterbringen. Zwei Fliegen, eine Klappe. Rationalisierte Bewegungsabläufe.

Wenig später – die Wäsche ist noch unverändert an ihrem Platz – ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder auf den Brief schaue. Soll ich ihn nicht doch mal öffnen? Vielleicht haben die sich ja seit dem letzten Mal doch ein paar Gedanken gemacht? Unwahrscheinlich? Sehr wahrscheinlich…

Vielleicht kann es ja wenigstens etwas zu meiner Belustigung beitragen, wenn ich Google mit den einzelnen Listen füttere und einfach mal gucke, was sich da so an Abgründen auftut:

Während ich mich so durch die erste Webpräsenz klicke und (zugegeben: gähnend) mehr überfliege als ernsthaft lese, bleibt eigentlich nur ein Satz aus einem Artikel über einen gewissen Herrn Neumann hängen:

Sein Wunsch: Nicht nur zur Wahl gehen, sondern auch seine BfA-Gemeinschaft wählen.

Sorry, aber: Nö. Weder gehe ich zur Wahl, weil Briefwahl. Noch konntet ihr mich überzeugen, siehe oben. Zu Gute halten möchte ich denen aber, dass sie anscheinend die einzigen sind, die keine Listenverbindung eingegangen sind (wahrscheinlich weil deren voller Name sich alleine schon über drei Zeilen erstreckt), aber dazu gleich mehr.

Ab jetzt wird’s nämlich richtig unübersichtlich:

Listenverbindungen untereinander werden durch Sternchen kenntlich gemacht (*, **, ***, ****). Bis auf den eben erwähnten Listenplatz sind da alle mit irgendwem sonst zusammen, bzw. sind es immer drei oder vier „Partner“. Zum Beispiel die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands / Kolpingwerk Deutschland / Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen mit ver.di, der Industriegewerkschaft Metall und dem deutschen Gewerkschaftsbund / Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt / Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie / Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Gangbang Sozialwahl, also?

Könnte sein, denn schlußendlich sind das wohl (auch) nur Zweckgemeinschaften. Sind die gemeinsamen Ziele befriedigt erreicht, geht man getrennt nach Hause. Diese Listenverbindungen halten praktisch bis zur ersten Auszählung (wenn ich das richtig interpretiere). Erreicht bzw. überspringt die Verbindung die 5%-Hürde, werden die Stimmen später anteilig nach dem D’Hondt-Verfahren wieder verteilt und fortan spielt wieder jeder für sich die Interessen seiner Klientel… aber egal, darum geht’s ja eigentlich gar nicht.

Was mir beim weiteren überfliegen der Kandidaten auffällt: Zwei Plätze tragen den (gleichen) Namen einer Versicherung in ihrer Vereinsbezeichnung („Judäische Volksfront. Quatsch! Wir sind die Volksfront von Judäa!“). Die Gemeinsamkeiten (Ziele) scheinen sich aber im Rahmen zu halten. Die Listenverbindungen sind konsequenterweise ebenfalls unterschiedlich. Immerhin verlangt eine der beiden in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen um 2€ günstigeren Mitgliedsbeitrag. Löblich, aber leider hab‘ ich da als Rucksackfranzose wohl einen Standortnachteil.

Es ist wie immer: Näher auf die einzelnen Programme einzugehen wäre verschwendete Lebenszeit, denn die unterscheiden sich ungefähr so stark voneinander, wie der Mond vom Mond.

UnabhängigSozialKollegialVertretung unserer* Interessen – und so weiter eben…

Irgendwie wollen alle anders sein, im Endeffekt macht sie aber gerade das beliebig. Es sei denn man kann sich für Sätze wie diesen

Mit jedem Kreuz stärker: Christliche Kraft gegen soziale Ungerechtigkeit

außerhalb der darin befindlichen Ironie begeistern. Da dürfte die Auswahl dann nicht allzu schwer fallen. Der Rest kann sich entweder blind als Stimmvieh betätigen, sich tapfer durch die einzelnen Programme kämpfen und seine(n) Favoriten finden oder die Wahlunterlagen ins Altpapier geben.

Ich bringe jetzt jedenfalls mal die Wäsche runter.

*Eine – nicht zwingend repräsentative – Blitzumfrage in diesem Haushalt hat ergeben, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten hauptsächlich an den drei F’s interessiert ist. Fußball – Fritten – Frauen (Reihenfolge egal).

Advertisements

Senf abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s