Sind Sie vielleicht John Wayne?

Oder bin ich das?

So langsam gewöhne ich mich daran den Anhaltesignalgeber der Rennleitung im Rückspiegel zu erblicken. Zumindest auf der A60 dürfte meine Quote mittlerweile bei 50% liegen.

Ich passe rein optisch wohl einfach zu schön ins Klischee des hanfrauchenden Menschenfressers Beuteschema, als das man mich unbehelligt weiterfahren lassen könnte. Besonders sonntags abends/nachts.

Aber was soll’s. Die Jungs (es waren bisher immer nur Männer) machen da eben ihren Job, das geht also grundsätzlich schon in Ordnung. Bisher gab es auch (beiderseits) nie irgendwelche Beanstandungen oder gar Probleme. Die üblichen Papierkontrollen, ein bißchen Smalltalk („Sie wissen warum wir wie Sie anhalten?“ – „Äh, Nö?“; „Führen sie irgendetwas mit, von dem wir wissen sollten?“ – „Äh, Nö!“) und schon trennen sich die Wege wieder. Man kann das durchaus freundlich und zügig über die Bühne bringen, vorausgesetzt beide Seiten tragen ihren Teil dazu bei. Wenn man so will, kann man es auf die einfache Formel des gegenseitigen Respekts herunterkürzen. Von Bürger zu Bürger.

Bis zum gestrigen Abend hatte ich auch das Gefühl, dass man so ganz gut die paar Minuten miteinander auskommen kann, die man im Zweifelsfall eben miteinander auskommen „muss“.

Aber dann…

Ich kann mich (abgesehen von Fußballspielen) wirklich nicht daran erinnern, jemals derart von einem Beamten angemacht worden zu sein, ohne dass ich ihm einen Grund dafür geliefert hätte.

Ich mein‘, vielleicht wollte er seinem jungem Kollegen auch nur den Befehlston näherbringen, aber… naja… ich hätte meine Papiere auch auf normales Verlangen hin vorgezeigt, ich hätte sehr wahrscheinlich sogar einen guten Abend gewünscht, wenn ich mit einem eben solchen begrüßt worden wäre, aber es kann ja anscheinend nicht immer höflich und gesittet ablaufen und da Freundlichkeit nunmal keine Einbahnstraße ist, kann ich mich auch anpassen, wenn nötig.

Zur Sache: Ich packe also (noch im Auto sitzend) sämtliche Papiere aus, deren zwingend notwendige Inaugenscheinnahme mir gerade in Gunnery Sergeant Hartman-Manier mitgeteilt wurde. Man hat ja alles griffbereit, Sucherei entfällt also und da ich (dem fliegenden Spaghettimonster sei Dank) Full Metal Jacket gesehen habe, möchte ich den Drill Instructor auch nicht länger als nötig warten lassen.

Nun kam aber das einzige Detail zum Tragen, das ihn wohl zu Recht stutzig machte. Ich zog meinen Perso aus dem Geldbeutel und bemerkte dabei, dass sich darunter noch ein weiterer Perso befand. [Den hatte ich am gerade abgelaufenen Wochenende „eingesteckt“, um einer Freundin das Mitschleppen ihrer Tasche zu ersparen und wir hatten später schlichtweg beide vergessen ihn wieder aus meinem Geldbeutel herauszunehmen, shit happens…]

Natürlich hab‘ nicht nur ich den überzähligen Ausweis entdeckt, sondern auch mein freundlicher Kontrolleur, der mich daraufhin natürlich erstmal aussteigen ließ. Ich händigte seinem (jungen) Kollegen alles zur Überprüfung aus und erklärte dem älteren Bürger in Uniform den oben bereits geschilderten Sachverhalt. Mit eher mäßigem Erfolg. Kann ich auf der einen Seite auch nachvollziehen, die Jungs hören bestimmt täglich jede Menge abenteuerliche Storys, aber was zur Hölle könnte ich mit einem „weiblichen“ Ausweis schon großartiges anstellen? Naja, egal… bleibt ja sowieso Spekulation und es wird schon einen Grund gegeben haben. Jedenfalls leuchtete er mir während meiner Erklärung äußerst unauffällig mit seiner Taschenlampe in die Augen und stellte danach die gewohnten Fragen, allerdings in einer Liebenswürdigkeit, die ich bis dato eher in Straflagern der ehemaligen Sowjetunion (oder eben in FMJ) für „angebracht“ gehalten hätte. Aber OK, dann spiele ich eben mit, übernehme die Rolle von Private Joker und denke an den Schutz der Kronjuwelen…

[…]

„Woher kommen Sie?“ – „Jetzt gerade? Aus Belgien.“

„Was haben Sie da gemacht?“ – „Ich bin durchgefahren.“

[…]

Danach wollte er (natürlich) den Kofferraum sehen. Wir hatten das Stadium der verdachtsunabhängigen Kontrolle also spätestens jetzt verlassen. Aber da ich mir relativ sicher war dort keinen weiteren Ausweis (der mir nicht gehört) vorzufinden, öffnete ich die hinterste aller Autotüren mit reinem Gewissen.

[…]

„Kein Gepäck?“ – „Nein!“

„Warndreieck?“ – „Hab‘ ich!“

„Verbandskasten?“ – „Hab‘ ich!“

„Öffnen Sie die Klappe da mal!“ – „Hab‘ i… äh, Ja!“

„Hast du noch was?“ (zum gerade wiederkehrenden Kollegen) – „Nein, soweit alles in Ordnung.“

„Geben Sie den Ausweis schnellstmöglich seiner Besitzerin zurück!“ – „Mach‘ ich! (Sir, yes sir!)“

[…]

Das wir uns nun zum Abschied keine „gute Fahrt“ oder sonstige Nettigkeits-Floskeln mehr um die Ohren gehauen haben, dürfte ja relativ klar sein…

Im Endeffekt frage ich mich aber, warum wir es uns gegenseitig schwerer als nötig gemacht haben? Wie eingangs schon beschrieben, muss es ja nicht so ablaufen. Und Ja, ich war zum guten Schluss sicherlich auch unhöflich und hab‘ schlechte „Witze“ gerissen, ich gebe mir da selbst durchaus eine gewisse Mitschschuld am unnötig langen Ablauf der Kontrolle.

Versteht mich nicht falsch, das hier soll keinesfalls Polizei-Bashing oder sowas sein. Der Großteil, dem ich bisher auf deutschen Autobahnen begegnet bin, war auf jeden Fall korrekt. Ich möchte den Job eines Polizisten auch nicht machen. Das ist mit Sicherheit stressig und aufreibend. Aber selbst wenn man (vielleicht) einen miesen Tag hatte – und selbst wenn man (Spekulation!) in seinem Gegenüber einen potentiellen Schmuggler (oder was auch immer) sieht/sehen will – kann man mit einer gewissen Freundlichkeit doch erstmal ganz anders (lies: viel besser) in die Kontrolle einsteigen? Von der Unschuldsvermutung – die grundsätzlich zu gelten hat – mal ganz zu schweigen…

Ich will mir gar nicht ausmalen, was der mit mir gemacht hätte, wenn ich wirklich irgendwas ausgefressen gehabt hätte…so hat es mich halt nur eine knappe halbe Stunde Fahrtzeit gekostet.

Was lernen wir daraus?

Augen auf, auf der A60! John Wayne is watching you!

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Sind Sie vielleicht John Wayne?

  1. Tja… Also, den Kofferraum musste ich auch schon mal öffnen, aber zu mir waren sie bisher immer vorbildlich höflich.
    Dafür habe ich einen Freund, der mal mit zwei echt monumentalen Riesenärschen zu tun hatte, dummerweise auch noch bei seiner Verhaftung.
    Aber so ist das Leben…

Senf abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s