Sehr geehrte Reisende auf Gleis 11, bitte beachten Sie…

Im nächsten Leben (sofern es denn eines geben sollte) will ich hauptberuflich die Durchsagen am Bahnhof machen und hobbymäßig könnte ich mir sowas wie Briefmarken sammeln gut vorstellen…

Aber von Anfang an: Ich bin jetzt schon ein paar Mal gefragt worden, warum ich eigentlich nie über die diversen Auswärtstouren mit dem FCK blogge. Ich hab‘ da nach wie vor keine plausible Antwort drauf, deshalb berichte ich jetzt einfach mal darüber;-)

Die Nacht zwischen Samstag und Sonntag war äußerst kurz. Wenn man drei Wochen am Stück Mittagschicht hatte, schläft man einfach nicht früh ein. Ich zumindest nicht. Meinem Wecker war mein veränderter Biorhythmus relativ egal und so beugte ich mich seiner immer lauter werdenden Penetranz und raffte gegen 0700 meinen faulen Kadaver aus den Federn. Kaffee, Kippe, Dusche (Zähne putzen nicht vergessen), Gepäck schnappen und ab auf die Straße Richtung Saarbrücken HBF. Ab 0801 ging es dann via Kaiserslautern, Bingen und Köln (und über unzählige, nicht erwähnenswerte Käffer wie z.B. Koblenz) nach Leverkusen, der Stadt mit Pillenwerk oder eigentlich eher dem Pillenwerk mit Stadt.

Nicht sonderlich sehenswert, aber ich war ja auch nicht zum Spaß da.

Zuerst die örtliche Filiale des Burgerriesen mit dem goldenen M beehrt, um eine Karte zu tauschen und dann die Straße zum ehemaligen Ulrich-Haberland-Stadion überquert. Viel zu früh (für’s Spiel) dagewesen, aber erfreulicherweise (wie erwartet) schon in viele bekannte Gesichter geblickt. So muss das sein, Freunde;-)

Nachdem sich dann die Viehgatter öffneten, ging’s nach erfolgreich bestandener Kartenkontrolle durch leicht gewöhnungsbedürftige „Einlass-Schleusen„. Das mag ja alles Sinn und Zweck haben, will ich gar nicht in Abrede stellen, aber irgendwie kam man sich halt in diesem engen „Zauntunnel“ schon ein bißchen wie das Schlachtvieh auf seinem letzten Gang  vor. Aber vermutlich sollte ich mich eher darüber freuen, dass man mir keinen Strip abverlangte.

Naja, anschließend dann der nächste Brüller: vergitterte Imbißbuden. Man muss sich ja irgendwie vor der menschenfressenden und brandschatzenden Meute schützen, kann ich ebenfalls voll nachvollziehen. Böse Auswärtsfans! Und vor allem auf die Unauffälligen achten, das sind meistens die Schlimmsten!!1!

Der nächste Schenkelklopfer folgte kurz darauf (auch wenn er bereits „bekannt“ war ) beim Betreten des Blocks: Rauchverbot. Zwar schön verpackt („Bitte…“), aber egal, Block geentert, Kippe an… man muss ja nicht jeden Trend mitmachen, neumodisches Zeugs, pah… (der Heimblock scheint da kooperativer zu sein, jedenfalls ist das die einzige (halbwegs positive) Erklärung die mir dafür einfällt, dass selbiger ziemlich lange, ziemlich leer blieb. Any other suggestions?)

Zum Spiel selbst brauche ich wahrscheinlich nicht viel zu sagen. Etwas glücklich in Führung gegangen, dann nicht nachgelegt und folgerichtig die Quittung dafür bekommen. So ist das eben. Ich empfehle den Interessierten einfach den Spielbericht bei dbb, da steht alles drin was es dazu zu sagen gibt.

Nach dem Spiel musste ich mich dann etwas beeilen, um rechtzeitig wieder von LEV-Mitte nach Köln zu kommen und dort den letzten Zug Richtung Heimat zu erwischen.

Die Eile war natürlich unnötig. Kaum am entsprechenden Gleis in Köln Messe/Deutz angekommen, erheiterte die erste Durchsage die umstehenden Wartenden. 25 Minuten Verspätung. An sich keine große Sache – passiert. Was in dieser knappen halben Stunde aber wirklich zur Geduldsprobe wurde, waren die ständig wiederkehrenden Durchsagen: a) Ja, der Zug hat immer noch Verspätung (hätte ich sonst gar nicht gemerkt) und b) der Zug verkehrt heute in geänderter Wagenreihenfolge (s. Klammer obendrüber). Ich weiß nicht genau, wie oft ich diese Durchsagen im immer gleichen Wortlaut gehört habe, aber ich konnte sie relativ schnell mitsprechen. Ich übe noch ein paar Mal vor dem Spiegel im Badezimmer und dann schicke ich meine Bewerbung ab.

Als es dann endlich weiterging (wie gesagt, „so lange“ hat’s eigentlich gar nicht gedauert) erstmal das Bord-Bistro in Beschlag genommen, feudal gespeist und anschließend ’nen Sitzplatz gesucht. Dabei kam es dann zu einer Begegnung, die mir – schadenfroher Arsch, der ich bin – den Tag gerettet hat. Zwei Mädels/Frauen, die sich nach eigener Aussage (vorher) nicht kannten, hatten „zusammen“ einen Zug in Mannheim bestiegen. Ihre eigentlichen Ziele hab‘ ich vergessen(^^), aber jedenfalls hätten beide in Frankfurt (HBF) umsteigen müssen. Nun hatte dieser ICE aber nie vor auch in FFM (HBF) Halt zu machen, sondern nur in „Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof“, wo er dann auch (oh Wunder) tatsächlich hielt. Dabei haben sich die beiden noch nichts böses gedacht und darauf spekuliert, dass der HBF eben als nächste Haltestelle käme. Die kam dann allerdings – „ein paar“ Kilometer weiter – erst in Siegburg/Bonn;-)

Nun war „mein Zug“ natürlich bereits die Rückfahrt ihrer Odyssee und sie wurden kurz vor dem Halt in „Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof“ nochmal freundlich vom Schaffner Zugbetreuer darauf hingewiesen, dass sie nun aber wirklich aussteigen müssen, um immerhin per Regionalbahn doch noch zum HBF in Frankfurt zu gelangen (ansonsten wären sie halt wieder am Ausgangspunkt in Mannheim gelandet^^). Ich sag’s euch, ich hab‘ mich köstlich amüsiert (wie eigentlich alle, die die Story mitbekommen haben) und die Mädels haben’s sportlich genommen. Wer den Schaden hat…

In Mannheim angekommen hatte ich die nächste Verspätung, somit wieder ein bißchen Wartezeit, wieder tolle Durchsagen, usw., aber was soll’s… wenn man für 90 Minuten Fußball knapp zehn Stunden Zug fährt, nimmt man ein paar obligatorische Verzögerungen irgendwann relativ gelassen.

Um 0042 bin ich dann tatsächlich wieder im Landeshauptdorf unseres kleinen Bundeslandes angekommen und gegen 0110 hatten mich die Federn wieder.

Und der Wecker, dieser Halunke, hatte in meiner Abwesenheit schon wieder den nächsten Angriff geplant.

0515 – Frühschicht.

Aber das ist dann wieder ’ne eigene Geschichte…

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