Der Schreibtisch in Frankfurt

Angesichts der momentanen Tabellensituation des SV Auersmacher und der Berichterstattung im SR, habe ich mir mal ein paar Gedanken zum Thema „Aufstieg“ gemacht.

Wir alle wissen (spätestens seit gestern), dass die Regionalliga finanziell nicht zu stemmen wäre. Aber warum ist das eigentlich so? Welche Anforderungen werden denn gestellt? Und WER ist dafür verantwortlich?

Bevor wir einsteigen noch ein kurzer Einwurf: Die Lizensierungsvorschriften (und alles was direkt oder indirekt damit zusammenhängt) sind ziemlich ausführlich und in ihrer Gesamtheit auch recht kompliziert. Die nachfolgende Auflistung ist also keinesfalls vollständig. Ich bemühe mich lediglich einen groben Überblick zu geben und diesen so fehlerfrei wie möglich zu halten.

Grundlagen meiner Betrachtungen sind das >Statut 3. Liga und Regionalliga< des DFB, die >Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen<, sowie deren >Anlagen<. Alle weiteren Quellen sind an den entsprechenden Stellen separat verlinkt.

Zuerst möchte ich die ganzen kaufmännischen Details mal beiseite lassen und mit der benötigten geforderten Infrastruktur beginnen.

Erforderlich sind:

  • ein Stadion mit einer Zuschauerkapazität von mindestens 5000 Plätzen, davon 1000 Sitzplätze (im ersten Jahr ggf. 500 Sitzplätze ausreichend), mindestens ein Drittel der Gesamtkapazität soll überdacht sein
  • ein äußerer Sicherheitszaun (min. 2,20m hoch)
  • eine Unterteilung des Stadions in min. 4 Sektoren, die voneinader abgetrennt sein müssen (z.B. wieder ein 2,20m hoher Zaun) und jeweils über eigene Zugangs- und Rettungswege, Toiletten, Kiosk, usw. verfügen
  • Wellenbrecher“ für die Stehplätze
  • eine entsprechende Flutlichtanlage, die ggf. sogar fernsehtauglich sein muss (hier gibt’s aber Übergangszeiten)
  • mindestens 10 Presseplätze, mit der gleichen Anzahl an Telefonanschlüssen für die Journalisten, zuzüglich zweier Plätze für Kommentatoren
  • Pressekonferenzraum mit min. 40 Plätzen
  • Umkleideräume von min. 40m², min. 6 Duschen, 2 WCs
  • Umkleideräume für Schiedsrichter von min. 20m², 2 Duschen, 1 WC, PC oder Laptop mit Internetzugang und Drucker
  • Dopingkontrollraum und entsprechender Warteraum in der Nähe der Mannschaftskabinen
  • VIP-Raum und -Parkplätze

Ihr merkt, das ist schon einiges und da sind jetzt noch keine Details wie Beschilderungen und Notrufsäulen auf den benötigten (normalen) Parkplätzen drin…^^

Verabschieden wir uns also von den technisch-organisatorischen Punkten und wenden uns den personell-administrativen Zulassungsvoraussetzungen zu.

Erforderlich sind:

  • ein operativ tätiger „hauptamtlicher“ Geschäftsführer (also nix mit Ehrenamt, das muss durch einen Arbeits- oder Honorarvertrag nachgewiesen werden)
  • ein „hauptamtlich“ Verantwortlicher im Finanzbereich (nix Ehrenamt, s.o.)
  • ein Verantwortlicher im Marketingbereich (der darf’s anscheinend „für lau“ machen)
  • ein Medienverantwortlicher (Hauptamt oder Teilzeit, s.o.)
  • eine täglich erreichbare Geschäftsstelle

Auch hier kann man erkennen, dass der vorgegebene Weg ganz klar schon Profi-Strukturen aufweist. Und auch bei dieser Auflistung habe ich nur einen kleinen Teil beleuchtet, der zwingend notwendig zu erfüllen ist.

Betrachten wir nun mal die wirtschaftlichen Anforderungen die gestellt werden. Hier merkt man schnell, dass die oben aufgelisteten „Hauptämter“ durchaus Sinn machen. Das dürfte auf jeden Fall ein Fulltime-Job sein. Das oben verlinkte .pdf-Dokument behandelt diesen Themenkomplex jedenfalls auf zig-Seiten. Man möge mir nachsehen, dass ich es kürzer halte und mir nur einige Punkte herauspicke, die ich für interessant/wissenswert halte. Zumal ich auch kein Experte in Sachen Bilanzierung, Liquiditätsprüfung oder gesellschaftsrechtlicher Grundlagen bin, lasse ich da lieber die Finger davon. Vielleicht findet sich ja jemand, der damit beruflich zu tun hat und diese Passagen etwas eingehender kommentieren kann. Ich freue mich über jeden Hinweis und jede Mithilfe.

Also, man hat unter Anderem eine Kaution beim DFB zu hinterlegen, welche sich am Personalaufwand für den Spielbetrieb orientiert (laut DFB kann man beim Aufstieg von der Ober- in die Regionalliga von einer Steigerung des Personalaufwands von 50% ausgehen). Dieser Personalaufwand ergibt sich (bei Aufsteigern) aus der „Plan-Gewinn- und Verlustrechnung“ der aktuellen Spielzeit, sowie aus der Folgespielzeit. Diese werden addiert und durch 24 (Monate) geteilt. Aus der Höhe des Quotienten ergibt sich die Kaution, welche kaufmännisch auf den nächsten Tausender gerundet wird.

(Einwurf: In bestimmten (nicht näher definierten) Fällen kann auch NUR die aktuelle Spielzeit als Berechnungsgrundlage herangezogen werden, in diesem Fall wird dann logischerweise nur durch 12 (Monate) geteilt)

Mit dieser Kaution soll gewährleistet werden, dass der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann, auch wenn der Verein aus irgendeinem Grund zahlungsunfähig werden sollte. Wird die Kaution nicht benötigt, wird sie zum 30. April zurückgewährt. Grundsätzlich also eine sehr sinnvolle und notwendige Sache, aber da kann halt schon ein beträchtliches Sümmchen zusammenkommen, das man ja auch erstmal auftreiben muss.

Den nächsten Punkt sehe ich insgesamt kritischer.

Bei allen Ligaspielen der Regionalliga muss der „veranstaltende Teilnehmer“ (also die Heimmanschaft) einen Betrag von 5% der Zuschauereinnahmen (abzüglich der Umsatzsteuer) abführen. 3% an den DFB und 2% an den entsprechenden Landesverband, in diesem Fall also (wahrscheinlich) an den SFV (vielleicht aber auch an den SWFV, das konnte ich leider nicht genau ermitteln, ändert ja aber auch nix an der Tatsache, dass das Geld den Besitzer wechselt). An sich kein schlimmer Wert (vergleichbares gibt’s wahrscheinlich auch schon in der Oberliga?), wäre da nicht der Mindestwert von 500€. Das heißt, unabhängig davon ob 1000 oder 50 zahlende Zuschauer da sind, mindestens 500€ gehen so oder so an die Verbände.

Es ist natürlich klar, dass sich die Verbände eben (unter Anderem) über ihre Mitglieder finanzieren. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Aber durch all die kleinen und mittleren Posten die da zusammenkommen, wird es für kleine Vereine unmöglich extremst schwierig die wirtschaftliche Kraft aufzubringen, um auch tatsächlich aufzusteigen. Überspitzt ausgedrückt nimmt man den „kleinen Oberligisten“ praktisch die sportlichen Ziele, weil sie finanziell nicht zu erreichen sind. Eigentlich sind es noch nicht mal „nur“ die Kleinen, befragt mal Google nach Kickers Emden…

Speziell die Anforderungen an Stadion und -Umfeld sind, meiner Meinung nach, für „Provinzvereine“ kaum zu erfüllen und teilweise auch überzogen. Hier wäre etwas mehr Flexibilität seitens des Regelwerks sicherlich wünschenswert.

Aber wer weiß, vielleicht liegt ja am 15.März 2010, 15:30Uhr, doch noch eine Bewerbung des SV Auersmacher auf einem Schreibtisch in Frankfurt^^ Ich würd’s den Jungs gönnen…

Berdi

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Ein Gedanke zu “Der Schreibtisch in Frankfurt

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