U-gan-da! (Part XII)

Datum: Freitag, 12. Januar / Samstag, 13. Januar 2018

Route: Entebbe – Dubai – Frankfurt – Auersmacher

Nullneunhundert Ortszeit, Banana Pancake. Zum letzten Mal das Original. Genau die richtige Grundlage für den langen Heimweg. Die Bestätigungs-Email der Fluggesellschaft sagt die heutige Reisezeit nämlich mit 18 Stunden und 10 Minuten voraus. Genug Zeit, um unterwegs Ellen Ripleys diverse Auseinandersetzungen mit den Xenomorphs nochmal zu schauen (Moment, warten wir kurz, bis das alle gegoogelt haben). Zumindest wenn am Entertainment-Programm nix geändert wurde.

Aber egal, ich schweife schon wieder ab. Vom Morgen im Guesthouse gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Wir haben es gemütlich angehen lassen. Geduscht, gepackt, Zeitung gelesen und das Internet unsicher gemacht. Was man halt so tut, wenn man zuviel Zeit hat.

Um 12:00 bekamen wir noch Sandwiches zum mitnehmen und bestiegen den Bus Richtung Flughafen. Andi und ich hielten es für konsequent unser Outlaw-Leben weiter zu führen und befuhren auch die letzten Kilometer auf ugandischem Boden unangeschnallt. The unbelted, oder so.

Der Flughafen selbst ist dann bei den Abflügen nochmal ’ne Nummer wilder als bei den Ankünften. Aus irgendeinem Grund hatten wir keine elektronischen Tickets. Ein Schild am Eingang – und somit vor der ersten Sicherheitsschleuse – sagte aber unmissverständlich aus, dass man unter anderem das Ticket braucht um Zugang zu erhalten. Also stellten wir uns erstmal brav nebenan hin und fragten dort bei einer Mitarbeiterin nach, wohin wir uns wenden müssten. Diese schickte uns dann durch eine weitere Sicherheitsschleuse, wo ich erstmal meine Streichhölzer aus der Hosentasche abgeben musste, die ich auch nicht wiederbekam. Keine Ahnung wieso. Die zehn weiteren Päckchen im Rucksack haben trotz Durchleuchtung niemanden interessiert… die hatte ich in Auersmacher noch…  man muss es nicht verstehen. Jedenfalls einmal die Treppen hoch und dann standen wir im Büro eines verdutzten Emirates-Mitarbeiters, der uns postwendend wieder runter, raus und durch die erste Schleuse (die mit dem Schild) schickte… Mahalo!

Generell sind viele Schilder, Hinweise und Anweisungen offenbar überall nur deswegen angebracht, damit die Wände nicht so leer aussehen. Aber was soll’s. Lächeln und winken.

Also durch die nächste Schleuse. Wieder alles auspacken. Wieder alles einpacken. In der Schlange anstellen. Boardkarten abholen. Anschließend Passkontrolle. Hier war’s dann wie auch schon bei der Ankunft, dass irgendwie willkürlich Fingerabdrücke genommen werden, oder halt nicht. Ich hab‘ beide Male keine abgeben müssen, bin offenbar vertrauenswürdig.

Kleiner Tipp noch für die Raucher: einmal drinnen, gibt es keine Möglichkeit mehr der Sucht zu fröhnen. Stellt euch drauf ein.

Dafür sind die Duty Free Läden extrem günstig. Stange Luckies für 21$, 1l Uganda Waragi für 7$, da kann man nicht meckern. Nichtmal ich.

Bizarr wurde es aber dann wieder im Sitzplatzbereich(!) vor dem Gate. Dort durften wir nämlich nicht sitzen. Hat uns jedenfalls eine recht kratzbürstige Mitarbeiterin zu verstehen gegeben. Entweder durch den letzten Sicherheitscheck oder woanders hin. Aber sitzen im Sitzplatzbereich ist nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Grundsätzlich war sogar ab 14:00 Boarding Time, die hat aber von Anfang an – bei planmäßigem Abflug um 15:25 – nicht wirklich Sinn ergeben. Wir haben uns aber natürlich gefügt, nochmal alles ausgepackt, nochmal alles eingepackt, danke, bitte. Und dann saßen wir halt eine anderthalbe Stunde 10m weiter, wo es nix mehr zu trinken und nix mehr zu essen gab… aber die Stimmung war trotzdem okay.

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Als es dann losging Richtung Flugzeug – man läuft schön oldschool über’s Rollfeld – schien uns dann sogar der Himmel verabschieden zu wollen, denn es fielen die ersten Regentropfen.

Und im Flugzeug gab es dann tatsächlich nochmal die komplette Alien-Reihe und fast noch wichtiger: wieder was zu trinken.

War alles wieder sehr kurzweilig. In Dubai hatten wir dann das Glück, dass die Heineken Bar den Auftakt der Rückrunde der Bundesliga übertrug (23:30 Ortszeit) und wir somit die Wartezeit sinnvoll überbrücken konnten. Die Bierpreise waren dort zwar gewohnt happig (50AED für eins), aber was will man machen. Ich hab zum guten Schluss diese Saison dann sowohl den Auftakt der Hin- als auch der Rückrunde in den Emiraten geguckt, einmal Fudjairah, einmal Dubai. Keine Ahnung was mir das bringt, aber ich finde ihr solltet das wissen, auch wenn unsere Beziehung im Moment ein bisschen einseitig ist und eigentlich nur ich immer erzähle.

Frühmorgens (03:20, Ortszeit) ging’s dann wieder in die Luft und frühmorgens (07:30, Ortszeit) wieder runter. Alles supi. Außer vielleicht, dass ein Gepäckband für einen vollbesetzten A380 vielleicht etwas wenig ist, liebe Fraport AG. Aber geht ja trotzdem schneller als beim BER von daher will ich gar nix gesagt haben.

Perfekt war dann aber wieder das Empfangskomitee. Vielen Dank an Matze B. nebst Gattin, die keine Mühe gescheut haben, um uns zu dieser unchristlichen Uhrzeit abholen zu kommen. Merci beaucoup!

Viel mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen.

War ’ne tolle Reise, wir haben viel gelacht, viel erlebt, tolle Menschen getroffen, ein wunderschönes Land bereist und wir leben noch. Die Spritzen haben sich gelohnt.

Danke für die Aufmerksamkeit und bis demnächst mal, ich schätze, das war nicht unser letztes Abenteuer ;)

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U-gan-da! (Part XI)

Datum: Donnerstag, 11. Januar 2018

Route: Jinja – Entebbe

Ich glaube es wundert niemanden so wirklich, wenn ich sage:

Hello hangover, my old friend
I’ve come to talk with you again…

Mein lieber Herr Gesangverein. Uganda Waragi aus Wassergläsern kann auf Dauer nicht gesund sein.

Das schöne daran ist aber, dass wir beim Frühstück das allseits beliebte „Malaria oder Kater?“ spielen konnten:

  • Kopfschmerzen? Jepp! ✓
  • Schwäche? Jepp! ✓
  • Übelkeit? Oh Ja! ✓
  • Schwindel? Nicht wirklich, aber eher Ja, als Nein. Also Check! ✓
  • Gliederschmerzen? Schon! ✓
  • Hohes Fieber (>38,5)? Nix zum messen, also Nein! ✘
  • Schüttelfrost? Eigentlich nicht. ✘
  • Schweißausbrüche? Auch nicht. ✘

Fünf aus acht, also eindeutig Malaria. Und da kann man uns dann nun wirklich nix vorwerfen. Die Prophylaxe wurde immer von allen eingenommen, dazu hätten die Drinks zusätzlich noch einiges abtöten müssen… hundertprozentigen Schutz gibt es halt nicht, wir haben getan was wir konnten, war schön mit euch ¯\_(ツ)_/¯

Memo an mich: Spiel-Idee schützen lassen, ehe RTL sie als „Die acht schönsten Malaria-Symptome 2018“ zur besten Sendezeit mit Sonja Zietlow raushaut.

Wie dem auch sei, wir hatten uns tatsächlich beliebt gemacht. Von allen Stationen des Vortags kamen positive Rückmeldungen und Nachfragen per WhatsApp bei uns an, solange wir uns noch im Hotel befanden und WLan hatten. Ich glaube wir haben uns wirklich Freunde gemacht.

Nach dem Auschecken und Verabschieden von unseren Security-Freunden (unironisch, die waren wirklich locker) ging es wieder zurück auf die Straße Richtung Entebbe. Wenn wir nicht gerade mit schlafen beschäftigt waren, wurden am Straßenrand Bananen gekauft oder der – wie immer – wilde Verkehr in und um Kampala bestaunt.

Bei dieser Durchfahrt entdeckten wir dann aber tatsächlich die ersten Ampeln der Tour (zwei an der Zahl) und die Skyline der Hauptstadt.

Entebbe war dann auch etwas unübersichtlicher als gedacht, wir mussten ein paar Mal bei Boda-Boda-Fahrern nach der Route fragen und umdrehen, ehe wir dann unser Refugium in einer Nebenstraße gefunden hatten. Vielleicht haben wir uns da auch anhand des Namens ein bisschen selbst in die Irre geführt, ‚Airport Guesthouse‘ bedeutet nämlich nicht unbedingt, dass es direkt am Flughafen liegt. Wieder was gelernt.

Umso positiver waren wir dann aber überrascht, als sich das Tor für uns öffnete und wir in einen wirklich schönen Garten einfuhren, der den zentralen Platz des Hotels darstellte. Auf der einen Seite die Zufahrt und die Rezeption mit Essenssaal und Küche, auf der anderen Seite die aneinanderhängenden Bungalows mit Terasse. Dazwischen der Garten mit kuriosen Vögeln, Hängematten und sonstigen Sitzgelegenheiten. Genau das, was wir an dem Tag brauchten. Alles sehr schnuckelig und gemütlich.

Und einen total lieben Wachhund gab es auch. Mutmaßlich der faulste Hund aller Zeiten. Der hat sich wirklich nur bewegt, wenn es absolut unumgänglich war. Quasi genauso wie wir an dem Tag. Ein Seelenverwandter.

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Sie nannten ihn Wauzi!

Edson und Ambrose wollten noch ein paar Dinge erledigen, während wir uns damit anfreundeten, den Rest des Tages einfach nur noch nix zu machen. Zimmer beziehen, chillen, Zeitung lesen, bisschen mit den Leuten von gestern texten und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Mit 1774km auf dem Tacho und gut 20 nur im Auto verbrachten Stunden seit Beginn der Tour vielleicht verständlich.

Zum Lunch bekamen wir nachmittags dann noch Sandwiches und Pommes mitten im Garten. Wir waren zu dem Zeitpunkt echt total mit uns und der Welt im Reinen und hätten da nie wieder weggemusst. Wir haben zum Essen sogar (alle) Cola bestellt, ich glaube das sagt alles.

Aber so hätten wir natürlich gar nix von Entebbe gesehen. Edson und Ambrose kamen also mit zwei Mädels im Bus zurück und das alleine bewog uns dann immerhin schonmal zum duschen. Da soll mal jemand behaupten, Frauen hätten keinen Einfluss auf Männer.

Im Anschluss wurde wie meistens der Bradt-Reiseführer konsultiert, um was nettes für das Abendessen zu finden. Direkt am Victoriasee gab es ein paar Läden, die vielversprechend klangen und so wurde – nachdem auch der Letzte die hauseigene Bewässerungsapparatur inspiziert hatte – der Achtsitzer zum Neunsitzer und die Straße hatte uns wieder.

Muss ich erwähnen, dass natürlich in keinem der vorab ausgesuchten und nun angesteuerten Läden Kartenzahlung möglich war? Es ist ein Graus.

Wir hatten noch Bargeld, mussten aber auch Edson und am nächsten Tag die Herberge zahlen (dort hatte man uns direkt eröffnet, dass „das Gerät vielleicht nicht geht“ und uns war relativ klar, dass es niemanden geben wird…).

Egal. Zum guten Schluss sind wir im ‚Java House‘ gelandet. Ganz nettes Ding. Zwar nicht am See, aber dafür an der Hauptstraße. So haben wir immerhin noch zum zweiten Mal die Kolonne des Präsidenten vorbeifahren sehen. Danke Merkel!

War ein äußerst kurzweiliger Abend mit lustigen Gesprächen, gutem Essen und einem Edson im SVA-Trikot:

Am letzten Abend darf es natürlich auch nicht an Reden und Danksagungen fehlen. Edson bedankte sich überschwänglich beim „great Tim“, was sich aber kurz darauf als freudsches Fehlverständnis unsererseits herausstellte, denn er hatte uns natürlich alle als „great Team“ bezeichnet. Irgendwie schade, aber natürlich verdient ;)

Überhaupt hat man einfach gemerkt, dass ihm die Verabschiedung sehr nahe ging und er die Zeit mit uns wirklich genossen hat. Er war nicht ’nur‘ unser Fahrer, sondern tatsächlich ein Teil der Gruppe. So hat er es auch geschildert. Normalerweise fährt er die Leute zum gewünschten Ziel, wartet dann auf sie und abgesehen vom Smalltalk während der Fahrt passiert da nicht viel mehr an Interaktion. Morgens abholen, abends absetzen.

Bei uns war er (fast) überall dabei, ob das jetzt bei den Schimpansen in Kibale oder beim Feiern in Jinja war. Da haben wir auch eigentlich nie untereinander drüber geredet oder nachgedacht, das war völlig selbstverständlich. Und er ist eben einfach ein sehr lockerer und kommunikativer Typ, das hat von Tag 1 an einfach super gepasst. Wenn ihr also mal einen Fahrer und Kumpel in Uganda brauchen solltet, ist Edson euer Mann. Einfach Bescheid sagen, er ist nach wie vor in unserer Uganda-WhatsApp-Gruppe ;)

Nach zwei Bieren waren es dann aber auch wirklich genug.

Auf dem Gelände der Lodge kam es dann zur letzten emotionalen Verabschiedung und wir ließen bei einem (wirklich nur einem) Absacker vor den Bungalows nochmal so ein bisschen die Tour und ihre Höhepunkte Revue passieren, ehe die Betten riefen…

Morgen noch einmal bei fantastischem Vogelgezwitscher aufstehen.

Ich freue mich drauf.

 

U-gan-da! (Part X)

Datum: Mittwoch, 10. Januar 2018

Route: Jinja

Frühstück um 08:40. Bei der anschließenden Morgenkippe auf der Straße wurde ich zweimal von Passanten gegrüßt und abgeklatscht („Ey, Muzungu!“) und überlegte ernsthaft, ob ich nachts vielleicht doch noch weg war? So ein bisschen wie auf Mallorca, wenn morgens auf einmal wildfremde Leute deinen Namen kennen und dich für den Vorabend feiern, man aber selbst schwören würde, die noch nie zuvor gesehen zu haben… Ambrose klärte aber später auf, dass man sich morgens halt einfach grüßt. Bisschen wie auf dem Dorf zuhause, sehr nett.

Im Bad dann anschließend Paparazzi-Alarm.

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Außerdem blieben wir jetzt doch zwei Nächte. Kampala wollten wir sowieso streichen (in erster Linie, weil wir sonst nix von Jinja gesehen hätten) und die Frühschicht an der Rezeption war sehr viel umgänglicher, als die Spätschicht (#metoo). Im Endeffekt waren wir wieder beim gestern zuerst genannten (Normal-)Preis von 180.000 UGX. Passt.

Die üblichen Kreditkarten-Tankprobleme überspringe ich mal wohlwollend, an der dritten Station hat’s jedenfalls geklappt. Anschließend waren wir auf dem Weg zu den Itanda Falls am Nil.

Um die zu beschreiben, reichen eigentlich drei Worte und drei Punkte:

Was. Für. Wassermassen.

Und Ja, da springen tatsächlich Leute rein und schwimmen durch.

Hier mal ein kurzes Video, das vielleicht einen etwas besseren Überblick über die Verhältnisse gibt, als die Bilder:

Wir haben mehrfach abgelehnt, sie dafür zu bezahlen. Einfach weil uns das wirklich hochgradig lebensgefährlich erschien. Auch, wenn die Jungs die Strömungen kennen und ’ne Rettungsweste tragen und ihren Lebensunterhalt damit verdienen, ist das völlig verantwortungslos, das noch durch Geld anzuheizen. Wir haben uns jedenfalls einstimmig dagegen entschieden.

Gemacht haben sie es (natürlich) trotzdem.

Und unbeschadet überstanden.

Um nicht ganz dumm dazustehen und trotzdem Gesicht zu wahren, haben wir ihnen dann einen 10.000er für ein gemeinsames Bild zugesteckt. Was will man machen.

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Von halsbrecherischen Aktionen hatten wir dann aber genug, so dass der angedachte Zwischenstopp beim ‚High Jump‘ gestrichen wurde (ich will gar nicht wissen, wie das in den Fluten ausgeht) und da sowieso jeder Hunger verspürte, sollte es Richtung East Bank gehen. Dort tritt der (weiße) Nil aus dem Victoriasee aus – die eigentliche Quelle ist irgendwo in den Bergen zwischen Ruanda und Burundi – und beginnt seine 2800km lange oberirdische Reise nach Khartum zum blauen Nil.

Überhaupt: Essen. Nach Einnahme der Malariaprohylaxe nie verkehrt und unser Vorrat an Müsliriegeln ging so langsam zur Neige. Außerdem wollten wir die Nackenmuskulaturen von Jonas und Alex nicht überstrapazieren, die beiden schliefen nach der Pille nämlich regelmäßig im Auto ein.

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Auf dem Weg zur East Bank dann auch wieder allgemeines Amüsement über den Verkehr. First come, first serve… nur so funktioniert es, keine anderen Regeln erkennbar. In den Städten fiel das halt viel mehr auf (Kreuzungen), als am Anfang der Reise, wo die Dörfer quasi nur aus Hauptstraße bestehen. Wie Leverkusen.

Am Parkeingang angekommen, dann mal wieder Geldwechselspiele. Gerne Dollar, aber nur die richtigen und nur passend. Rückgeld in Schilling ging nicht (warum auch immer) und Dollar hatte er angeblich nicht… ich wiederhole mich, aber man muss es echt gelassen sehen oder die ganze Sache mit dem Geld halt anders aufziehen als wir es getan haben. Manchmal ist es total unkompliziert (der Typ am Eingang der Itanda Falls gab uns Rabatt, weil wir keine Quittung brauchten, völlig klar wo die Kohle hingewandert ist) und bei der nächsten Station möchte man seinen Geldbeutel einfach verbrennen und auf einem feuerspeienden Nilpferd nach Hause reiten. Nur weil mal wieder irgendwo auf einem Schein ein Mini-Strich von einem Kugelschreiber oder so sei, der da nicht hingehöre… und „der Chef“ meckere dann. Es ist halt wie es ist und man muss sich arrangieren. Hat immer irgendwie geklappt, so auch diesmal.

Und zum Glück sind wir nicht in das erstbeste Gasthaus. Nix gegen die Hütte, keine Ahnung ob’s da gut gewesen wäre, aber ich nehme das jetzt einfach schonmal vorweg: das zweitbeste Gasthaus war der Hammer.

Weil:

  1. Nile (man sieht’s an den Gesichtern, oder?)
  2. Talapia („Man down, fish down!“)
  3. Stadtmitte am Fluss

Wir sind dort fantastisch versackt. Und ich kann tatsächlich nicht mal sagen, was es in dem Park sonst noch (oder überhaupt) gegeben hätte, dafür hatten wir ja eigentlich Eintritt bezahlt. Wir haben schlussendlich nicht mal den eigentlichen Eingang davon gesehen. Aber das war uns total egal und es war es absolut wert. Und es sollte noch besser werden. Wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, da haben wir uns noch nur selbst gefeiert und das Leben genossen.

Und der Wille zu gehen war tatsächlich mal kurzzeitig da. Wir hatten sogar schon gezahlt.

Dann haben wir aber den Fehler gemacht an der Bar vorbei zu gehen, weil irgendjemand noch auf die Toilette wollte.

Ich kann, will und werde euch nicht alles erzählen und zeigen. Aber es war wirklich fantastisch. Spätestens nachdem Jonas und Christian im Billard ehrenhaft gegen die Einheimischen und Angestellten verloren hatten, sind alle Dämme gebrochen. Wir waren auch irgendwie die letzten Gäste und die Crew hatte spontan Bock einfach mit uns zu feiern. Wir bekamen Mojitos gemixt, die es eigentlich nicht gab (mit Minze aus der Wiese) und überhaupt. Einfach nur weltklasse.

Die East Bank schließt eigentlich auch um 19:00, aber was soll’s: „Who want’s to stop us?“ – „No one can stop you!“ (Dialog zwischen Jonas und Bonny)

Irgendwann war’s dann aber tatsächlich (vorerst) genug, die Küche hatte – wie eigentlich der ganze Park – schon lange geschlossen und wir wurden über einen Schleichweg an’s Auto gebracht, um erstmal wieder an unser Hotel zu fahren, dort im WLan für die Flüge einzuchecken und was zu essen.

Zuwachs hatten wir zu dem Zeitpunkt auch bereits, denn eine der Angestellten hatte Lust noch weiter mit uns feiern zu gehen. Kann ja nicht schaden und außerdem sprach sie 9(!) Sprachen.

Unterwegs brachte Christian den vernünftigen Einwand, dass wir jetzt alle schon ein ordentliches Level haben und gerade deshalb bitte bedenken sollen, dass wir nicht unsterblich sind. Vor allem, wenn die Party nach dem Essen noch weiter gehe. Und als wollte er der Aussage nochmal extra Nachdruck verleihen, spritzte er mir im Hotel erstmal NoBite ins Gesicht… sehr gern ;)

Wir sind dann auch natürlich noch in einem Club gelandet und es war einfach nur die Party schlechthin. Und man muss da auch mal festhalten, dass wir uns tatsächlich auch dort zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt haben. Es ist schon ein bisschen komisch, wenn man mal die exotische Minderheit ist, aber niemand hat uns auch nur schief angeguckt. Fantastische Menschen. Alle. Der Bürgermeister (kein Scheiss) hat uns Runde um Runde ausgegeben und so weiter… ich hab noch nie in meinem Leben so viel getanzt und gesungen wie in dieser Nacht.

Alles Weitere muss ich euch leider vorenthalten. Was in Jinja passiert, bleibt in Jinja.

Okay, ein oder zwei Bilder und einen Blick auf meine Aufzeichnungen bekommt ihr noch, dann ist’s aber gut.

Bis morgen.

 

 

 

U-gan-da! (Part IX)

Datum: Dienstag, 09. Januar 2018

Route: Bugala Island – Jinja

Wie man an der angegebenen Route schon sehen kann, konnten wir leider nicht verlängern. Warum blieb einigermaßen nebulös, aber was soll’s. Grundsätzlich kam uns alles ein bisschen unkoordiniert vor, so als hätte niemand vor Ort Entscheidungskompetenz. So, als hielten die Angestellten den Laden halt „nur“ am Laufen.

Aber wie gesagt, alles kein Drama, passt schon. Wir wurden immer freundlich und zuvorkommend behandelt, wenn Bier doppelt kam, haben wir nicht Nein gesagt und wenn verlängern nicht geht, dann geht es halt nicht. Es kann nicht immer jemanden geben.

Positiv (und skurril) war, dass man uns das immerhin noch nachts (um halb zwei oder so) mitgeteilt hat. So konnten wir uns vor dem zu Bett gehen noch drauf einstellen und Alternativen erörtern.

Anmerkung: Wären wir richtig clever gewesen, hätten wir das offene WLan vom Hotel nutzen können, um einfach online nochmal ’ne Nacht zu buchen. Waren wir aber nicht. Vielleicht waren wir auch einfach schon zu sehr entwöhnt, dass uns das Internet (als Ursache und Lösung aller Probleme) gar nicht in den Sinn kam. Hat auch was.

Wie auch immer, wir hatten zwei Möglichkeiten: entweder mit einer Fähre direkt nach Entebbe (oder noch weiter nach Jinja, das war aber nicht so hundertprozentig klar, ob das geht), oder halt nochmal mit der anderen Fähre auf dem Weg vom Vortag zurück. Zeitlich gab sich das in der Theorie nicht viel, drei bis vier Stunden Fahrt mit der Fähre, oder eben die selbe Zeit (+ X) mit dem Auto. Den Ausschlag gab dann die Abfahrtszeit. Die Fähre nach Entebbe geht nur morgens um 08:00 und darauf hatte niemand Bock.

Also wieder zurück auf die Buckelpiste. Oder wie die Einheimischen es nennen: Afrikanische Massage.

Ausschlafen und gemütlich frühstücken hat seinen Preis.

Die Fähre ging um 12:00 und am Vortag hatten wir eine gute Stunde vom Hafen zur Lodge gebraucht. Als Abfahrtszeit reicht 11:00 dann locker, oder?

Natürlich.

War schon ein bisschen eng, aber wir konnten uns auf unser Glück verlassen. Auch wenn’s wirklich richtig knapp wurde, weil wir uns diesmal am Pier nicht selbst in die Liste eintragen durften, sondern ein Offizier das Abschreiben der Pässe höchstselbst übernahm. Einfach an ihm vorbeigehen (durch ein – natürlich – durchsichtiges Eisentor, direkt neben ihm) hat aus absolut unerklärlichen Gründen nicht funktioniert… also zumindest bei allen außer Ambrose nicht. Keine Ahnung wieso ¯\_(ツ)_/¯

Also unter bösen Blicken brav nochmal angestellt und sich über die Stilblüten gewundert, die der Mann in die Liste eingetragen hat…

Name: Schmitt, Vorname: Deutsch…

(Nein, ich denke mir das nicht aus. Wirklich nicht!)

Anschließend noch ein kurzer Sprint über die Rampe auf die Fähre und der Victoriasee hatte uns wieder. Diesmal mit der MV Pearl (nicht Black Pearl, wir sind hier nicht beim Fluch der Karibik), gestern war’s noch die MV Ssese mit Selbstregistrierung. Früher war alles besser.

Während wir auf der Überfahrt die tägliche Pillenration einnahmen, guckten wir parallel schon mal im (verdammt hilfreichen) Bradt-Reiseführer nach möglichen Anlaufstellen zum Mittagessen unterwegs und nach Unterkünften für die Nacht in Jinja am weißen Nil. Die Auswahl zum Essen war groß (die üblichen Stände überall am Wegesrand gar nicht einbezogen), denn es gab genug „unterwegs“:

Bukakata - Jinja

Screenshot: Google Maps

Und es ging auch gleich nach der Landung wieder gut los, denn – wie auf der Karte ersichtlich – nahmen wir nicht die komplette Buckelpiste vom Vortag bis Masaka, um dort dann auf die asphaltierte Masaka/Kampala Road zu gelangen, sondern eine kleine Abkürzung.

War die Buckelpiste von gestern noch per Definition der Landkarte eine „sonstige Straße“, hatten wir diesmal einen „Fahrweg/Fußweg – unbefestigt, saisonal“ ausfindig gemacht…  ich glaube, mehr Infos zur Beschaffenheit braucht es nicht. Ein Königreich für die B51, ein feuchter Traum für Stoßdämpfertests. Andi ließ sich neben mir zu der Aussage verleiten, dass er drei Kreuze mache, wenn er am Wochenende ohne Bandscheibenvorfall im Flugzeug säße.

Die Restaurantwahl fiel im Anschluss jedenfalls auf das Equator Cafe gut 75km vor Kampala und – wie der Name schon sagt – ein paar Meter vor der Grenze zur heimischen Nordhalbkugel.

Das hatte zwei positive Nebeneffekte, denn dort konnten wir uns noch mit Souvenirs eindecken und die Hilfsorganisation AidChild unterstützen. Win-win.

Danach ging’s dann mitten durch Kampala. Setzt dort jemanden ohne Karte, Internet und Sprachkenntnisse aus und er findet nie wieder raus. Die Stadt ist ein Moloch vor dem Herrn. Auch und gerade deswegen, weil sie halt ebenfalls zum größten Teil ein riesiges Dorf ist, mit keinerlei fast keinen markanten Punkten an denen man sich orientieren könnte. Von der Fläche her nur unwesentlich größer als Saarbrücken (also nicht wirklich groß), aber dafür mit einer Bevölkerungsdichte von 7.692 Einwohner/km² (Saarbrücken: 1076) und – wie gesagt – halt nicht in die Höhe gebaut, sondern in die Breite. Dicht an dicht. Ist schwer zu erklären.

Und der Verkehr kommt dann noch dazu. Ich habe echt keine Ahnung, wie der (abgesehen vom Stau) funktioniert. Nahezu keine Ampeln, keine Schilder, kein erkennbares links vor rechts oder was auch immer. Märkte mitten in Kreisverkehren, Märkte auf der Autobahn,… faszinierend. Wild. Vor allem die auf der Autobahn. Da waren nur zwei Spuren befahrbar, je eine pro Richtung, und auf den gesperrten Teilen wechselten sich Bauarbeiten und Verkaufsstände ab.

Außerdem diente der unasphaltierte Standstreifen neben unserer Spur als Ausweichmöglichkeit, falls aus der Gegenrichtung jemand überholte. Vermutlich war diese Durchfahrt der abenteuerlichste Part der Reise.

Um euch mal einen Mini-Einblick zu geben, folgendes Video:

Ansonsten haben wir noch das Mandela-Stadion gesehen (Jepp, nach DEM Nelson Mandela benannt) und waren uns nachdem wir die Stadtgrenze passiert hatten einig, dass wir den ursprünglich mal angedachten Tag in Kampala vielleicht auch einfach weglassen könnten.

Gegen 19:15 überquerten wir dann den Nil und waren in Jinja. Verkehrstechnisch nicht minder wild, aber immerhin ohne Stau (auf unserer Spur), in der DayOne-App notierte ich dazu im Überschwang der Gefühle: „Pluspunkt.“

Auf dem Weg zum vorher telefonisch gebuchten Hotel wunderten wir uns aber über die Dunkelheit in der Stadt. Die Sonne war zwar schon länger untergegangen (Nachtfahrt, Hallo Auswärtiges Amt), aber auch die ganzen Geschäfte und so waren größtenteils dunkel.

Am Hotel angekommen, erfuhren wir dann wieso. Stromausfall in der ganzen Stadt. Muss man auch mal erlebt haben, gibt schlimmeres.

Außerdem hatte die Herberge einen Generator laufen, da wusste halt nur niemand, wie lange der durchhält. Es wird jemanden geben.

Auf unsere Nachfrage bot man uns zwei Drei-Bett-Zimmer an. Für je 180.000 UGX ein Schnäppchen. Eingecheckt, Zimmer bezogen, Hunger.

Bevor wir aber dazu übergehen konnten unsere Bäuche zu füllen, teilte man uns zwischen Tür und Angel mit, dass die Nutzung der Drei-Bett-Zimmer zu dritt mehr kosten müsse… dass sechs Leute, zwei Drei-Bett-Zimmer auch tatsächlich jeweils zu gleichen Teilen nutzen könnten, schien irgendwie nicht (mehr) vorgesehen… war eine völlig unsinnige Diskussion um ein paar Pfennige, wobei ich zugeben muss, dass es mir dabei mehr um’s Prinzip ging. Ich neige gelegentlich dazu Erbsen zu zählen, wenn mir etwas total blödsinnig erscheint und ich kann dann ein sturer Arsch sein. Und meine Gegenüber konnte das auch. Ein (sinngemäß) schnippisches „Ist halt so, friss oder stirb!“ kann ich nicht leiden. Wir hatten die Preisliste mit dem ersten Wert ja gesehen… der sollte plötzlich halt nicht mehr zählen. Ich will niemandem was böses unterstellen, aber es wirkte halt schon so, als hätte man sich gedacht, dass bei uns auch mehr rauszuholen sei.

Long story short: Wir hatten von Anfang an in Aussicht gestellt eventuell zwei Nächte zu bleiben. Das habe ich dann kurzerhand mal eigenmächtig abgesagt. Eine Nacht zum „neuen“ Preis und gut, morgen dann eben woanders.

Anmerkung: Ich bin mir absolut darüber im Klaren, dass das totaler Unsinn war. Der Unterschied war (für uns) echt nicht der Rede wert, aber man kann halt manchmal nicht aus seiner Haut… und ich halte es für richtig und wichtig, auch diese Aspekte hier festzuhalten und das nicht ausschließlich auf Müdigkeit und Hunger zu schieben. Manchmal macht man halt komische Sachen, in diesem Fall ziehe ich mir den entsprechenden Schuh an.

Wie auch immer: Hunger! Essen gab es im hauseigenen Restaurant à la carte und wir bestellten erstmal Pizza und Burger. Pizza wäre dann aufgrund des Stromausfalls eigentlich nicht gegangen (das hätte der Generator nicht gepackt), aber wie von Geisterhand, war kurz nach unserer Bestellung – gegen 21:00 – der Strom wieder da. Und somit auch die zusätzliche Pizza (nicht im Bild).

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Lecker. Und wie immer fettig.

Allerdings gab es im Hotel keinen Alkohol und laut Aushang war es auch verboten, welchen mitzubringen. Kurioserweise hat man es uns auf Nachfrage trotzdem erlaubt, einen Absacker (zwei, drei) auf dem Zimmer zu konsumieren, Danke dafür :)

Im Anschluss ging es dann satt, zufrieden und müde ins Bett. War ein langer Tag.

Bis morgen.

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U-gan-da! (Part VIII)

Datum: Montag, 08. Januar 2018

Route: Lake Mburo – Bugala Island

Erstes Aufstehen um 06:30.

Freiwillig.

Wir wollten uns den Sonnenaufgang ansehen. Bedingt durch Wolken und Dunst war es nicht ganz so wie wir es uns vorgestellt hatten (vgl.: König der Löwen), aber trotzdem ziemlich schön. Gegen 07:10 kamen die ersten Strahlen durch.

Kurz darauf gelang mir dieser Schnappschuss von Andi und dem verrückten Gasball:

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Anschließend ging es nochmal kurz zurück ins warme Bett. Zweites Aufstehen um 08:20 und noch flott unter die Dusche. Und was soll ich sagen? Warmes Wasser! Lauwarm zumindest (und ’ne Regenwalddusche). Zum ersten Mal seit wir Auersmacher verlassen hatten. Luxus pur. Auch wenn man sich an kaltes Wasser gewöhnt und es mir mittlerweile egal gewesen wäre, war das schon ein besonderes Highlight am immer noch frühen Morgen.

Aber der steile Rückweg bergab zum Zelt in nassen Flip-Flops war dann etwas halsbrecherisch, so dass ich ab der Mitte lieber barfuß gelaufen bin, um nicht den kompletten Berg runterzukullern wie einst die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste.

Egal. Banana Pancake zum Frühstück auf 1670m im offenen Restaurant. In der DayOne-App notierte ich dazu euphorisch: „Neues Lieblingsessen, neue Lieblingshöhe!“.

Während die anderen nach dem Packen noch Bilder schossen, tanzten Andi und ich mit Kindern im Tal. Vom Berg aus. Keine Ahnung wie die uns bei der gewaltigen Höhendifferenz überhaupt entdeckt haben, aber als wir registrierten, dass da jemand durchgehend mit beiden Armen winkt, haben wir einfach mal zurückgewunken, woraus dann ein „gemeinsamer“ Tanz entstand… hat Spaß gemacht, aber hoffentlich hat uns niemand beobachtet.

Der Weg zur nächsten asphaltierten Straße Richtung Bukakata am Victoriasee war mal wieder abenteuerlich, aber überall freundliche Menschen, Bananenplantagen und Kronenkraniche. Da wir mal wieder Geld wechseln mussten, begaben wir uns zusätzlich noch auf Banksuche. Versuch 1 scheiterte sowohl am fehlenden (wenngleich aber beworbenen) Geldautomaten, als auch daran, dass man hier nur Dollar „ab 2009“ wechseln wollte… dann halt zum nächstem Geldinstitut…

Unbehelligt vorbei an diversen Checkpoints der Polizei, die mit wahnsinnigen Krähenfüßen gesichert sind. Vermutlich tun die hiesigen Pendants genau den gleichen Dienst wie die von der deutschen Polizei genutzten, aber mit den ugandischen Versionen kann man wahrscheinlich auch problemlos Panzer stoppen. Massive Blöcke mit ellenlangen Spikes. Sahen auch etwas unhandlich aus, so dass man die kaum per Hand auf- und abbauen kann. Auf Anraten von Ambrose und Edson haben wir auf Fotos verzichtet.

Nach Einnahme der Malariaprophylaxe – „Hanna die Pill geholl, Mädels?“ – ging der Party-Bus wieder steil. Spontaner Après-Ski auf der ugandischen Autobahn. Hulapalu!

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An den Straßenrändern das übliche Bild: überdachte Billardtische, zwischen allen denkbaren Geschäften. Jeder Ort ist ein einziger Markt. Vor den Häusern wird von Fleisch und Milch, Obst, Handyguthaben, Getränken und Souvenirs, bis hin zu Haustüren und hölzernen Bettgestellen einfach alles angeboten. Überall.

Und die allgegenwärtigen weißen „UNRA“-Pfosten am Straßenrand sind nicht, wie ich zuerst fälschlicherweise annahm, als Leitpfosten (wie bei uns) gedacht, sondern zeigen an, wie weit die jeweilige Straße noch verbreitert werden soll. Teilweise werden dafür einige Häuser weichen müssen. Verständlich, dass man vielerorts nicht allzu gut auf die Uganda National Roads Authority zu sprechen ist.

Kurz vor Masaka begegneten wir dann noch der Präsidenten-Kolonne. Viel Polizei mit Blaulicht und Martinshorn (ganz abgefahrene Tonfolge), Unmengen schwarze SUV, eigener Krankenwagen. Im Endeffekt wie bei uns auch, trotzdem kurios.

Tanken wurde dann nochmal wichtig, weil niemand wusste, ob wir auf der Insel nochmal die Möglichkeit dazu hätten. Und auch, weil dort definitiv keine der großen Ketten vorhanden ist, die zwar teurer als die Freien sind, man aber bei den Kleinen halt auch nicht weiß, inwiefern das Benzin vielleicht gepanscht sein könnte. Also wurde – wie immer – extra eine gesucht, die explizit die Möglichkeit der Kartenzahlung bewarb, damit nicht gleich wieder ein Großteil unseres Bargelds drauf ging. Davon mussten wir ja auch täglich Edson zahlen und unsere sonstigen Rechnungen begleichen.

Ich mach’s kurz: Hat natürlich wieder nicht geklappt. Man kann mit Händen und Füßen auf das entsprechende, riesengroße Schild „Visa accepted!“ zeigen, die Antwort lautet „Nöö!“. Nur bares ist wahres und davon bitte auch nur das (gerade im Moment) richtige… man muss es gelassen sehen, sonst ärgert man sich nur.

Die letzten 30km nach Bukakata zum Fährhafen bestanden dann wieder aus einer Buckelpiste, um die sich jedes Ski-Resort reissen würde. Mittendrin gerieten wir in eine Polizeikontrolle. Zum Glück wollten die Beamten nur Edsons Führerschein sehen. Hätten sie sich für diverse andere Dinge, z.B. die Gurtpflicht, interessiert, wären zumindest Andi und ich aufgefallen. Wir hatten nämlich auf der Rückbank keine Gurte und waren seit Beginn der Reise unangeschnallt unterwegs. Hallo Auswärtiges Amt.

Und falls Kinder mitlesen: bitte nicht nachmachen, hört auf eure Eltern und nicht auf den Onkel aus dem Internet.

Am Tor des Hafens mussten wir das Auto verlassen und uns in eine Liste eintragen. Keine Ahnung warum. In der Warteschlange kamen wir mit einer jungen Deutschen ins Gespräch, die nach eigenen Angaben seit drei Jahren „immer mal wieder“ in Uganda lebt und mit einem Einheimischen verheiratet sei. Wir schätzten sie später einstimmig auf maximal 18…

Ansonsten hatten wir wieder einmal Glück und Pech zugleich.

Glück: wir waren um halb drei da. Wir hatten keinen Plan in welcher Taktung die Fähren abgehen und stellten erst vor Ort fest, dass es an diesem Tag noch um 15:00 und um 18:00 losging. Um 15:00 waren Güter bevorzugt, so dass es durchaus hätte eng werden können. Aber der doppelte Zufall war uns hold. Zufällig pünktlich, zufällig Platz.

Pech: wir waren um halb drei da. Das bescherte uns eine halbe Stunde lang die wunderbare Geräuschkulisse eines Eismannes, der sämtliche Klingeltöne die es jemals auf Nokia-Handys gab in einer Lautstärke abspielte, dass mir Odysseus‘ Begegnung mit den Sirenen wie ein harmonischer Kindergeburtstag vorkam. Im Journal hielt ich dazu folgendes fest: „Ich möchte ihn [den Eismann] bereits nach 10 Minuten erwürgen, oder mir hilfsweise beide Ohren amputieren lassen.“

Wie dem auch sei, ich habe überlebt (mit beiden Ohren) und der Eismann auch. Alles gut.

Nebenbei bemerkten wir noch, offensichtlich eine deutsche Exklave gefunden zu haben. Anders war nicht zu erklären, dass das Betreten des Rasens ausdrücklich und bei Strafe verboten war. Exportweltmeister…

Die Fähre selbst war dann umsonst und mit ein paar Abstrichen (Fahrzeuge, etc.) vergleichbar mit der Staten Island Ferry in New York. Der Victoriasee selbst ist einfach nur riesig, ungesund grünlich (kommt wohl von diversen Algen) und heillos überfischt.

Die gut halbstündige Überfahrt nach Bugala Island, war recht kurzweilig, neben Snacks und Getränken wurden uns unter anderem auch Potenzmittel angeboten.

Bugala ist die größte Insel, der insgesamt 84 Inseln umfassenden Ssese Islands (43 davon bewohnt) und mit 275 Quadratkilometern die zweitgrößte Insel im Victoriasse. Der erste Eindruck nach dem Landgang wirkte etwas verrucht. Hafenmäßig. Nicht schlimm, aber halt speziell. So ein bisschen wie wenn Duisburg einen Dschungel hätte.

Bis zur gebuchten Lodge hatten wir dann mal wieder 30km Feldweg vor uns, die von unserer – sehr hilfreichen – Karte des World Mapping Projects liebevoll als „sonstige Straße“ betitelt wurden. Bergauf und bergab sind die Wege stückweise geteert, damit sie in der Regenzeit nicht weggespült werden, ansonsten halt Schotterpiste. Davon ab ist die Umgebung aber sehr schön. Üppige, abwechslungsreiche und dichte Vegetation, Palmenwälder und Dschungel.

Direkt am Eingang unserer mitten im Wald, aber auch direkt am See gelegenen Lodge kamen uns 40 Häftlinge mit zwei Wächtern entgegen, die dort wohl irgendwo ihre Zwangsarbeit verrichten hatten.

An der Rezeption folgte dann das erste Kuriosum: Es habe wohl einen Fehler gegeben, denn es wären drei Ehebetten für uns gebucht? Und dies sei ja bei sechs Männern irgendwie komisch… Wir haben dann aufgeklärt, dass uns das ziemlich egal ist, ob die Betten an- oder auseinander stehen und bekamen dann ein ziemlich schickes Häuschen mit drei Schlafzimmern, drei Ehebetten, drei Bädern und einem Wohnzimmer mit (nadellosem) Plattenspieler. Schullandheim-Feeling. Sehr geil.

Ein paar Lichter im Haus funktionierten nicht – unter anderem in sämtlichen Badezimmern – aber was soll’s. Andi und ich hatten in der Massai Villa in Fort Portal zwei Tage lang nicht mal ’ne Klotür zwischen Bad und Schlafzimmer, da konnte uns ein bisschen fehlende Elektrizität nicht mal mehr ein Schulterzucken entlocken.

Darüber hinaus gefiel uns die Lodge in ihrer Gesamtheit sofort so gut, dass wir spontan überlegten, die für den Folgetag angedachte Etappe nach Kampala oder Jinja zu streichen und hier eine Nacht dran zu hängen. Diese Spontanität hatten wir uns ja bewusst erhalten wollen und bis zur letzten Nacht in Entebbe nichts mehr vorab gebucht, so dass Planänderungen eigentlich immer möglich waren.

Eine erste unverbindliche Anfrage zwecks Verlängerung verpuffte ein bisschen im Kompetenzdschungel, aber man versprach uns sich zu kümmern. Es wird jemanden geben.

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Das hatte auch erstmal keinerlei Priorität, denn es gab einen Pool, den die beiden Dienstältesten antesten wollten.

Kalt.

Aber trotzdem geil. Da die wenigen Liegen zu dem Zeitpunkt alle belegt waren, schaffte der Rest von uns ein paar Stühle (und Nile) heran und es wurde kurzzeitig scherzhaft in Erwägung gezogen, darum zu knobeln, wer am nächsten Morgen um 06:00 die Liegen mit Handtüchern reservieren gehen muss ;)

Etwas ernsthafter wurde die Planung dann wieder, als erneut die Verlängerung in Erwägung gezogen wurde. Das hätte uns nämlich die Möglichkeit gegeben, eine der unbewohnten Inseln per Fischerboot zu besuchen. Darüber hatten wir im Vorfeld schon viel gesprochen und einiges an Zeit investiert, um überhaupt rauszufinden, ob das geht und wie man da hinkommt und überhaupt. War nicht einfach, aber halt im Endeffekt jetzt auch nur eine Option unter vielen. Und nur dann lohnend, wenn wir eine weitere Nacht anhängen könnten.

Raus aus dem Pool wurde dann im Bereich der offenen Bar darum geknobelt, wer nochmal zur Rezeption fragen gehen muss. Andi verlor ehrenhaft durch einen gelegten Teppich und machte sich auf den Weg. Währenddessen klärten wir ab, dass wir das Abendessen auf Platten bekommen konnten, so dass jeder von allem probieren konnte und man sich nicht zwischen den vielen leckeren Möglichkeiten entscheiden musste. War kein Problem.

Ein kleines Problem hingegen war aber die Tür zur Toilette an der Bar. Das war so ein Saloon-Flügel-Ding wie im Western und machte bei jeder Bewegung so ein hundserbärmliches Geräusch, dass ich mir nach zehn Minuten des in-der-Nähe-sitzens eine Dose WD-40 gewünscht hätte. Cool waren aber die ganzen Geckos, die – wie immer allgegenwärtig – die Mücken im Zaum hielten.

Andi kam mit der Info zurück, dass man sich in 20 Minuten bei uns melden würde. Es wird jemand kommen.

Nach dem Abendessen hatten wir immer noch keine Info, aber irgendwie war es uns auch egal. Auch wenn die Lodge insgesamt etwas unorganisiert wirkte, war es einfach schön. Gemütlich.

Und Chris Tucker war der Barmann.

Bei ihm sind wir dann auch noch ein bisschen versackt, Nile leer –> dann halt Club, Club leer –> dann halt Bell, Bell leer –> dann halt Tusker… immer weiter, ihr kennt das.

Natürlich gab es auch noch den obligatorischen Absacker zuhause, das Wohnzimmer wollte schließlich auch benutzt werden.

Ob wir verlängern können, erfahren wir morgen. Spontanität for the win.

Cheers!

U-gan-da! (Part VII)

Datum: Sonntag, 07. Januar 2018

Route: Queen Elizabeth Nationalpark – Lake Mburo

Zum Frühstück um 09:00 bei Vogelgezwitscher und Sonnenschein tauchte die Trikotfrau auf und hatte tatsächlich alle Shirts dabei. Schlussendlich 16 Stück für 400.000 Schilling (also ca. 6€ pro Trikot). Sehr gern. Später stellte sich zwar heraus, dass wir uns beim Wechselgeld irgendwie zu unseren Ungunsten vertan hatten – und sie es auch entweder nicht gemerkt oder nichts gesagt hatte – aber was soll’s, wir haben es halt als Trinkgeld verbucht, sie hatte ja auch extra den Weg auf sich genommen. Passt schon.

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Überhaupt muss man sich hier beim Wert des Geldes manchmal selbst zur Räson rufen. Zigaretten (Marke: „Sportsman“) haben zum Beispiel meist so um die 2.000 UGX gekostet. In einem Laden wollte der Verkäufer dann mal 4.000 UGX und ich war schon kurz davor, mich über diesen unerhörten Wucher (Zwinkersmiley) zu echauffieren, ehe mir selbst auffiel, dass das zwar durchaus eine Verdopplung des gewohnten Preises darstellte, letztlich war das aber dennoch nicht mal ein läppischer Euro für ein ganz normales 20er Päckchen… ist manchmal kurios, was einem der eigene Kopf für Streiche spielen kann, wenn man einen entscheidenden Faktor nicht auf dem Schirm hat. Nachdenken ist besser als losschimpfen. Auch das habe ich auf dieser Tour gelernt.

Beim Start Richtung Lake Mburo haben wir noch die letzte Gruppe Elefanten der Tour gesehen, ansonsten verlief diese Etappe vorerst recht ereignislos. Die Landschaft bestand überwiegend aus Bananen- und Teeplantagen, nur mal von Dörfern unterbrochen. Der Verkehr war wie immer wild, aber nicht gefährlich. Manchmal kann es vorkommen, dass vom herkömmlichen Linksverkehr abgewichen wird, wenn sich (anscheinend) alle Beteiligten einig sind. Dann wird zweimal kurz aufgeblinkt und man fährt rechts… ich hab’s auch nach Edsons Erklärung nicht verstanden, aber wir erinnern uns, wenn’s funktioniert, muss ich es auch nicht verstehen. Wie bei der Quantenmechanik, den Primaten, den Erblindungsmücken und nun halt auch beim Verkehr. Was soll’s.

Etappe 4

Screenshot: Google Maps

Kurz vor Mbarara mussten wir dann noch tanken und konnten uns etwas über die ungewöhnliche aber funktionale Absperrtechnik der dort werkelnden Arbeiter amüsieren. Direkt vor und hinter der Tankstelle war die Straße jeweils halbseitig wegen Markierungsarbeiten gesperrt. Und die Absperrung bestand aus Flatterband und einem auf der Straße liegenden Ast. Wenn’s funktioniert… ihr wisst schon.

Grundsätzlich fiel uns hier aber auch direkt eine verbesserte Straßenqualität auf und überhaupt wirkte alles „wertiger“. Ist schwer zu beschreiben, aber wenn man tagelang echt nur auf Buckelpisten unterwegs war und rund um sich nur wenig bis gar keine gewohnte Infrastruktur wahrnimmt, merkt man eben direkt solche Unterschiede. Asphaltierte Straßen mit Markierungen, zweistöckige Gebäude, ein völlig deplatziert wirkendes riesiges Hotel mit krachneuen Zufahrtsstraßen,… ein totaler Kontrast, zu allem was wir bisher an Städten gesehen hatten. Und auch dies war jetzt keine Stadt im westlichen Sinne, sondern auch eher ein großes Dorf mit 80.000 Einwohnern und – wie überall – keinerlei Skyline oder einem amerikanischen Burgerladen.

Des Rätsels Lösung war dann, dass der Präsident aus der Umgebung stammt, das eben genannte Hotel einem seiner Söhne gehört und so weiter… nennen wir es Vitamin B. Solange die Bevölkerung auch etwas davon hat, also zumindest von der Infrastruktur, ist das wahrscheinlich besser als nix.

Eigentlich waren wir auch nur deshalb in Mbarara, weil auf dem dortigen Marktplatz unser neuer Ersatzreifen ankommen sollte. Mit dem Bus aus Kampala. Das war auch tatsächlich so verrückt wie es vielleicht klingt. Ein großer Platz, rundherum und mittendrin Geschäfte aller Art (es gab unter anderem Bremen- und Köln-Schals) und quer durch die Menschenmassen fahren Busse und Motorräder. Und halt fünf Weiße. In einem Wort: wild.

Wir haben die Wartezeit auf den Bus mit Wasser und Bier kaufen überbrückt. Andi wurde dabei von einem fantastisch süßen Baby angehimmelt. Ich glaube es schaut und lächelt jetzt noch in die Richtung, wo er gestanden und zurück gelächelt und gewunken hat.

Ich hingegen wurde auf dem Rückweg zum Auto von einem Mann aufgefordert mein (einziges) Bier mit ihm zu teilen, oder es ihm am besten gleich ganz zu geben. Der war nicht bösartig oder gefährlich (obwohl ich zweiteres jetzt auch nicht abschließend einschätzen kann), aber halt ein bisschen unangenehm aufdringlich. War vielleicht auch ein Fehler von mir, als zu dem Zeitpunkt einziger Weißer – mit Bier – über den Markt zu laufen. Ambrose und ich haben das Bier jedenfalls verteidigt und als der Reifen ankam und auf dem Dach festgebunden war, machten wir uns auf den letzten Teil der Etappe zum Eagles Nest in Lake Mburo.

Dass diese Lodge auf einem Berg liegt, wussten wir vorab. Es war eine der Unterkünfte, die wir von Deutschland aus gebucht hatten. Dass man auf ca. 1.600 Höhenmeter muss, war auch klar. Dass man diese Höhenmeter auf relativ kurzer Strecke mit entsprechender Steillage überwinden muss, war die Überraschung.

Auf der GoPro kommt das ganz gut rüber, inklusive der normalen Straßenverhältnisse, schaut’s euch einfach an:

Oben angekommen, wickelten wir bei einem Melonensaft schnell den Check-In ab, genossen kurz die Rundum-Aussicht über das komplette Tal bis hin zum See, bezogen die Zelte und machten uns flugs wieder auf den Weg Richtung Park. Da ich meistens der Anmelder war, musste ich mittlerweile nicht mal mehr meinen Pass auspacken, um das Formular auszufüllen, ich werde alle Daten, bis in alle Ewigkeit auswendig wissen. Das einchecken verlief im Normalfall also sehr flott, weil immer gleich: Name, Adresse, Geburtsdatum, Passnummer, Ausstellungs- und Ablaufdatum, Ankunft, Abreise, Zahl der Mitreisenden, Unterschrift, fertig. Weckt mich – auf eigene Gefahr – nachts auf, und ich fülle euch eins aus.

Am Eingang des Parks wurde die Kamera schnell nochmal in Mac Gyver Stil am Dach befestigt (ich hatte die entsprechende Halterung zuhause vergessen, aber eine Plastiktüte war genauso gut) und schon waren wir wieder auf der Pirsch.

Und es ging direkt los. Unglaublich vielfältig und artenreich. Zebras, Pumbas, Antilopen, Uganda-Kobs, Kronenkraniche (das Wappentier Ugandas), ein in einem Wasserloch dösendes Nilpferd,… sehr geil.

Die Giraffen nicht zu vergessen. Majestätische Tiere. Eine ist einfach stehengeblieben und hat sicher zehn Minuten zurückgeguckt und bereitwillig Bilder mit uns gemacht.

Am namensgebenden See angekommen, dämmerte es schon so langsam und wir entscheiden uns ihn nicht mehr zu umrunden, sondern den Rückweg anzutreten. Wie immer und überall nahmen wir auch diesmal wieder einen Anhalter bis zur nächsten Rangerstation mit.

Auf dem erneuten Weg durch den Park grasten dann drei Giraffen gemütlich an der Straße. Vorbeifahren wäre sehr eng geworden, also haben wir in gebührendem Abstand gewartet, bis sie fertig waren und zwischendurch auch einmal kurz den Rückwärtsgang eingelegt, um ihnen nicht im Weg zu stehen.

Und Ja, wir hatten die Giraffe rechts (am Schluss des Videos) diesmal gesehen. Lektion von den Elefanten gelernt. Wir waren uns aber einig, dass die nicht loslaufen will ehe wir vorbei sind. Und so war es auch, die hat absichtlich gewartet. Cleveres Tier, lernfähige Menschen.

Keine hundert Meter weiter, gleich nach der nächsten Kurve, trabte dann eine Zebra-Herde vor und neben uns.

Auch wenn wir (vor allem ich) anfangs skeptisch waren, diesen Park erst nach dem wesentlich größeren Queen Elizabeth Nationalpark anzusteuern, muss man im Nachgang festhalten, dass es sich absolut gelohnt hat. Der Gedanke war, dass dieser gegenüber den anderen etwas abstinken könnte, was die Tierarten angeht. War aber im Endeffekt nicht so. Vielleicht macht es durchaus Sinn hier zuerst hinzufahren – um langsam reinzukommen, wenn man so etwas vorher noch nicht gemacht hat – und die Route quasi genau andersrum als wir zu absolvieren (machen die Pauschalreisen auch so), aber es lohnt sich so oder so. Lasst euch nix anderes einreden, auch von mir nicht. Wenn ihr sowas mal machen wollt, stellt euch alles so zusammen wie ihr Lust und Zeit habt.

Vor dem Abendessen haben wir dann vom Restaurant aus nochmal die Aussicht genossen, einen Sportplatz unterhalb von Christians und Jonas‘ Zelt entdeckt und zum ersten Mal den Arsch-Berg direkt gegenüber gesichtet.

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Zum Essen hätte es laut Aushang dann einen Hauptgang mit Weißweinsauce geben sollen, woraufhin unser dynamisches Gourmet-Duo Andi&Jonas einen südafrikanischen Weißwein orderte. Direkt ’ne ganze Flasche. Spätestens als der Rest dann die übliche Menge an Nile – nebst warmem Guiness für Edson – bestellte, hatten wir die Bediensteten gleich wieder lächelnd auf unserer Seite. Wie auch schon in der Bush Lodge im Queen Elizabeth Nationalpark hieß es später, dass sie solche Gäste wie uns noch nicht gehabt hätten. Und Ja, das war positiv gemeint (der normale Uganda-Tourist lebt anscheinend eher seriös), wir haben uns überall benommen, aber halt durchaus auch für Stimmung und Abwechslung gesorgt, ohne andere Gäste oder die Angestellten zu nerven.

Die Vorspeise (Tomatensuppe) hat sich dann jeder viel zu scharf nachgewürzt, so dass die nächste Runde recht flott folgen musste. Beim Hauptgang gab’s natürlich keine Weißweinsauce und unsere Someliers schwenkten deshalb, nach Leerung der ersten Flasche, auf einen italienischen Monte D’oro um. Sah schon scheisse nicht gut aus und schmeckte wohl auch so. Ein Glas wurde äußerst unauffällig weggekippt („Bäh, schmeckt wie Viez!“) und sie wollten wieder zurück zum Südafrikaner. Davon gab es aber nichts mehr (wie gesagt, im Normalfall wird wohl nur moderat getrunken, auf uns schien man nicht vorbereitet) und sie trafen die vermutlich beste Entscheidung des Abends: Nile! Warum den schweren Weg, wenn’s auch so einfach gehen kann. Beste Wahl.

Zwischendurch erreichte uns dann über Edson die Nachricht vom Coutinho-Wechsel nach Barcelona, von uns hatte ja niemand Internet. Eine schnelle Umrechnung während der Nachspeise (Schoki) ergab, dass der Mann für läppische 717.266.936.436,85 Uganda-Schilling zu haben war. Schnäppchen. Der Versuch zu erfahren, ob wir für diese Summe die Nile-Brauerei kaufen könnten, wurde dadurch unterbrochen, dass man uns mitteilte, dass bei einer Hochzeit mit einer ugandischen Frau die Ablösesumme durchschnittlich sechs Kühe („am besten die mit den großen Hörnern!“) beträgt und dies das wesentlich bessere Geschäfte sei… da wir weder Kühe noch 717 Milliarden hatten, bestellten wir uns noch einen Korb voll Nile und verzogen uns vor eines der Zelte um leise vor uns hin zu weinen den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Totale Schwärze. Also der Ausblick vom Zelt in Richtung Park. Wirklich kein (störendes) Licht irgendwo. Sowas hatten wir noch nie gesehen. Leider auch keine Sterne an diesem Abend, aber man kann halt nicht alles haben.

 

U-gan-da! (PartVI)

Datum: Samstag, 06. Januar 2018

Route: Queen Elizabeth Nationalpark

Bereits um 05:30 klingelte schon wieder der Wecker. Aufwachen, aufstehen, zu undefinierbaren, aber deshalb nicht minder fantastischen Nilpferdgeräuschen im Freien die Zähne putzen. Regelmäßig solch ein Ambiente und ich könnte vielleicht doch noch zum Frühaufsteher werden.

Um 06:00 das vorgepackte Frühstück abgeholt, schnell noch einen Kaffee oder Tee gekippt und schon saßen (oder lagen) wir wieder bei Edson im Auto.

Bevor wir aber richtig losfahren konnten, trottete erstmal ein Nilpferd seelenruhig über die Straße, als gäbe es uns nicht. So schön dieses Tiere auch sind, ist es irgendwie trotzdem beruhigend, von denen nicht wirklich wahrgenommen zu werden. Wäre ein ungleicher Kampf.

Am Kontrollpunkt, wo man sich einen mitfahrenden Ranger schnappt, waren wir dann viel zu früh, konnten so aber noch den Sonnenaufgang genießen. Außerdem noch Österreicher getroffen, mit denen man mal kurz deutsch sprechen konnte, irgendwie schon fast ungewohnt. Wobei Österreicher im Januar zu treffen ja nicht wirklich ungewöhnlich ist, war es auf der Südhalbkugel trotzdem ’ne Premiere.

Unser Ranger Richard hat jedenfalls die ganze Tour über einen klasse Job gemacht, uns mit unzähligen Infos versorgt und eigentlich auch alle Tiere aufgespürt, die wir zu sehen hofften. Elefanten, Löwen (Mutter mit vier Kids), Büffel, Unmengen Antilopen, Wasserböcke und Uganda-Kobs. Und natürlich die unvergleichlichen Pumbas. Hakuna Matata!

 

Schaut euch einfach die Bilder an, wenn ihr wollt:

Und zu den Löwen geht es einmal hier entlang:

Um die Mittagszeit legten wir dann eine Pause ein, um oberhalb eines riesigen Salzsees die Souvenirläden unsicher zu machen. Wir hätten insgesamt 15 Uganda-Trikots gebraucht, aber so viele waren auf die Schnelle nicht zu haben. Vor allem nicht in den gewünschten Farben und den benötigten Größen. Ich zum Beispiel passe normalerweise locker in M, wenn’s gut läuft auch mal in S. In Uganda war das dann XXL… und Ja, ich hab extra nochmal nachgefragt, ob die Verkäuferin mich gerade fett genannt hat. Hatte sie nicht.

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Freundlich war sie aber und versprach uns, alle fehlenden Shirts bis spätestens zum nächsten Morgen an die Lodge zu liefern. Wir waren skeptisch, aber hey, wir erinnern uns: Es wird jemand kommen.

Nach der Abfahrt entdeckte Ranger Richard dann kurz vor Abschluss der Tour noch Reifenspuren, die vom eigentlichen Weg in die Savanne führten. Was natürlich verboten ist uns so begaben wir uns auf Verbrecherjagd.

Trotz intensiver Suche und kollektiv gesummter Chip&Chap-Titelmusik, gelang es uns leider nicht, den oder die Übeltäter ausfindig zu machen. Dieser herbe Rückschlag hielt uns aber nicht davon ab, vom Ausgang des Parks bis zu den nächsten Crater Lakes eine kleine Auto-Party mit DJ Edson zu feiern. Stimmung am Siedepunkt. Es gibt auch tatsächlich ein Video davon, aber glaubt mir, ihr wollt es nicht sehen. Wirklich nicht. Und da mir euer Wohlergehen am Herzen liegt, zeige ich es euch auch nicht. Bitte, gerne.

Die ganze folgende Landschaft bei besagten Crater Lakes erinnerte uns dann an das große Tal, aus „In einem Land vor unserer Zeit“. Ich weiß, wir vergleichen irgendwie alles mit Dinosaurier-Filmen, aber es trifft es tatsächlich ziemlich genau, hat Andi echt gut beobachtet. Bilder konnten wir bei dieser Durchfahrt auch leider nur wenige machen, da wir direkt am Eingang vor den zahlreichen Mücken gewarnt wurden, deren Stich Tiere offenbar erblinden lassen kann. Keine Ahnung ob’s stimmt (und ob Menschen auch erblinden können), aber wir haben es ausnahmsweise mal nicht komplett sorglos genommen. Nur so semi-sorglos. Für unsere Verhältnisse also fast schon seriös.

Dummerweise hatten wir vorher die GoPro vom Autodach entfernt und auch nicht mehr rechtzeitig dran gedacht, sie gegebenenfalls nochmal zu platzieren, so dass diese Bilder auch fehlen.

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Unterwegs war das schon kurios: Die Mücken halten das fahrende Auto offenbar für ein sich bewegendes Tier. Denn solange man fährt, hat man unzählige begleitende Flugobjekte neben der Karre. Wirklich krass viele. Und wenn man anhält, sind nach einigen Momenten keine mehr in der direkten Umgebung zu sehen. Kuriose Tierwelt, man muss es nicht verstehen und kann es wohl gerade deswegen so faszinierend finden.

Aus dieser vermeintlichen Sicherheit wurde dann natürlich auch ein Fenster geöffnet und fotografiert. Das „Wenn ich wegen dir blind werde!!!“, wird mir auf ewig im Ohr bleiben, Mitfahrer Jonas hatte es oft nicht leicht mit Fotograf Andi.

Die weitere Fahrt über den wirklich „üblen Feldweg“ (O-Ton von so ziemlich allen im Auto) hatte dann kurz vor der kongolesischen Grenze ein weiteres Schmankerl für uns parat. Bedingt durch die Geräuschkulisse war es kaum zu hören – und so richtig wollte ich da auch noch nicht dran glauben – aber als das Ruckeln immer heftiger wurde, war’s klar: unter mir, also hinten links, hatten wir einen Platten…

Mitten im Nirgendwo.

Im Mückengebiet.

Und Löwen waren auch nicht völlig auszuschließen.

Aber hey, it’s not a mistake, it’s just a little happy accident. It’s part of the fun!

Da es uns übertrieben erschien den ADAC anzurufen, haben wir den Reifen halt selbst gewechselt. Keine große Sache, aber danach fuhr dann schon kurzzeitig ein mulmiges Gefühl mit, weil wir halt nur den einen Ersatzreifen hatten und die Mutter aller Feldwege, mit ihren brutal spitzen Steinen, schon noch ein gutes Stück andauerte.

Zwischendurch hallte dann noch einmal unser Pillen-Wecker durch’s Auto und sobald wir wieder auf der immerhin befestigten Straße waren, hatten wir schon wieder einen Anhalter Richtung Mweyo auf dem Vordersitz (am Vortag war es eine Anhalterin mit dem selben Ziel). Gute Taten werden (hoffentlich) belohnt, also warum Nein sagen.

Vom Zielpunkt unseres neuen Freundes mussten wir dann nochmal am Kazinga Channel vorbei Richtung Lodge. Im Gegensatz zu gestern waren kaum Tiere zu sehen, die halten sich um diese Zeit (Mittag) wohl überwiegend im Schatten oder direkt am Kanal auf. Und als wir eigentlich schon nicht mehr mit Sichtungen gerechnet haben, läuft ein gutes Stück vor uns eine Gruppe Elefanten gemütlich über die Straße.

Langsam herangefahren und nach rechts aus dem Auto heraus Fotos gemacht, weil alle Tiere dort stehen geblieben sind, als würden sie auf uns warten.

Aber was bringt man Kindern schon früh bei? Richtig. Nicht einfach über die Straße laufen, sondern zuerst nach links und nach rechts gucken.

Hätten wir auch besser gemacht. Die Gruppe hat nämlich (natürlich) nicht auf oder gar wegen uns gewartet, wir waren denen völlig egal. Aber als Ambrose dann „Genda, genda!“ rief, hab ich es gecheckt. Nachdem ich daraufhin nach links aus meinem Fenster blickte, sah ich nur Rüssel und Ohren. Zum Glück hat Edson reagiert und ist gefahren.

Das muss man jetzt nicht dramatischer darstellen als es war. Aber der Elefant (vermutlich die Mutter, die laufen meist am Schluss) hätte können, wenn er/sie gewollt oder uns als Bedrohung angesehen hätte. Die aufgestellten Ohren sind das erste Warnzeichen und wir standen halt tatsächlich ziemlich dämlich zwischen ihr und der restlichen Gruppe (aber halt schon auf der Straße). Lektion gelernt! Sorry, großer Freund, kommt nicht wieder vor.

Zurück auf der Lodge haben wir es dann tatsächlich geschafft, durchgehend vom Mittagessen (lecker) bis zum Abendessen (lecker) zu versacken. Nile getrunken, dabei Kniffel und Wuppertaler gespielt… war schön mal nichts zu tun.

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Zwischendurch behauptete Alex‘ Handy wir hätten Freitag den 5. und Andi wurde zum Flipperautomaten („Katsching!“), sonst gab es abgesehen von einem fehlgeschlagenen Flirtversuch bei drei Amerikanerinnen – „come, join us“ – keine weiteren Auffälligkeiten bis zum Nilpferd.

Das stand nämlich auf einmal nur ein paar Meter von unserem Essenstisch weg.

Hallo!

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Ich feiere die Tiere seit ich mich erinnern kann. Wieder sicher so ein once in a lifetime Moment, aber so im Nachhinein muss man sich schon auch vor Augen halten, dass das für beide Seiten nicht ganz gefahrlos ist. Und ich befürchte, dass ein Fehlverhalten eher mal von einem Menschen als von einem der Tiere ausgeht… aber dies nur am Rande, schließlich waren alle Anwesenden gebührend respektvoll („So schnell sieht das gar nicht aus?!“), machten in angemessenem Abstand ihre Bilder und dann passt das ja durchaus.

Irgendwann trottete das Hippo jedenfalls von dannen und wir widmeten uns der nächsten Runde Nile und Uganda Waragi.

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Nach dem Essen hat’s uns dann wieder an unseren nachmittäglichen Platz verschlagen, dort wurden noch diverse innen- und aussenpolitische Themen diskutiert und mehrere Getränke mit den Angestellten verköstigt, ehe es an der Bar weiterging. War wirklich ein fantastischer Abend mit tollen Menschen, mit Geckos auf der Toilette und Vorfreude auf die in Aussicht stehende Party in Kampala am vorletzten Tag.

Abschließend noch zwei Bier to go für an’s Zelt.

Als die leer waren und wir nochmal zur – verlassenen – Bar gingen, teilte uns ein freundlicher Wachmann mit, dass es leider nix mehr gibt.

Schade, aber vielleicht besser so.

Kurz noch den Hyänen beim Lachen zugehört und dann ab in die Heia.